Es ist der 24. Juli 2016, als ein 27-jähriger Mann sich mit einer Rucksackbombe bewaffnet Zutritt zu einem Musikfestival in Ansbach verschaffen wollte. Dieser wurde am Eingang zu der Veranstaltung abgewiesen, woraufhin er den Sprengsatz zündet und insgesamt einen Menschen tötet und 12 weitere verletzt.
Hier wird von einer Lebensbedrohlichen Einsatzlage gesprochen (LbEL oder auch LebEL), da solche Einsätze mit einem hohen Gefährdungspotenzial für das Leben, von Opfern, Unbeteiligten und Einsatzkräften einhergehen ausgehend von mind. einem Täter in diesem Fall mittels Sprengstoffs. Diese wird so durch die Handlungskonzeption für die Bewältigung lebensbedrohlicher Einsatzlagen durch die nicht polizeiliche Gefahrenabwehr beschrieben.
(Handlungskonzept LbEL der Landesfeuerwehrschule Bayern)
Solche Einsatzlagen gaben bereits in der Vergangenheit Anlass zum Handeln hinsichtlich veränderter sanitätsdienstlicher Versorgung von Opfern und Beteiligten. Der personelle Bedarf bei solchen Ereignissen ist immens hoch und aus diesem Grund wird sich hierbei sowohl an hauptamtlichen als auch an ehrenamtlichen Einsatzkräften der Sanitätseinheiten bedient. Das Bayerische Staatsministerium des Innern erstellte im selben Jahr eine Handlungsempfehlung für Rettungsdiensteinsätze bei besonderen Einsatzlagen / Terrorlagen – kurz REBEL. Dieses Konzept regelt u. a. neben der Vorsichtung auch die Versorgung von Patienten sowie die Ausstattung von Rettungsmitteln. Landesweit wurden daraufhin die sogenannten „REBEL-Sets“ an Sanitäts- und Rettungseinheiten angeschafft. Diese beinhalten unterschiedliche medizinische Produkte, um lebensrettende Maßnahmen abseits der Individualmedizin zeitnah ergreifen zu können.
Die in den letzten Jahren zunehmende Anzahl an lebensbedrohlichen Einsatzlagen mit teilweise terroristischem Hintergrund gehören zwar nicht zum Alltag, dennoch müssen die Sanitäts- und Rettungsdiensteinheiten im wieder auftretenden Falle adäquat reagieren und versorgen können.
(QUELLE: Kippnich, M., Jelting, Y., Kraus, M., Artmann, T., Wurmb, T., Kranke, P. (2018). Versorgung von Traumapatienten mit dem „REBEL“-Set. In: Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther; Jhrg. 53; Thieme.)
Aus diesem Grund wurde im Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen der „Lebensrettende Sofortmaßnahmen in LbEL“-Lehrgang implementiert, um Einsatzpersonal eine Übungsfläche für das Beüben lebensrettender Skills zu bieten. Dazu gehören unter anderem die Blutstillung mittels Tourniquet, Woundpacking oder Notverbänden, aber auch Maßnahmen zu Wärmeerhalt und Rettungstechniken mit Bandschlingen, Tragetüchern sowie auch Spineboards. Die bereits erlernten theoretischen Grundlagen zum REBEL-Konzept werden im Zentrum in realitätsnahen Szenarien wie beispielsweise einer Amokfahrt in eine Menschenmenge mit modernster Simulationstechnik und mit entsprechendem REBEL-Equipment (Katastrophenschutz Bayern) angewandt und anschließend besprochen, um den Teilnehmenden mehr Handlungssicherheit in solchen Einsätzen an die Hand zu geben.
Weitere Informationen findet ihr hier.
Quellen:
Bayerisches Staatsministerium des Innern (2016). Handlungsempfehlungen für Rettungsdiensteinsätze bei besonderen Einsatzlagen/Terrorlagen (REBEL).
Bayerisches Staatsministerium des Innern (2018). Handlungskonzeption für die Bewältigung lebensbedrohlicher Einsatzlagen durch die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr. In: Brandwacht. Jrg. 5/2018. Abgerufen unter: https://www.brandwacht.bayern.de/mam/archiv/beitraege_pdf/bw_5_2018_s180_182_handlungskonzeption.pdf
Kippnich, M., Jelting, Y., Kraus, M., Artmann, T., Wurmb, T., Kranke, P. (2018). Versorgung von Traumapatienten mit dem „REBEL“-Set. In: Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther; Jhrg. 53; Thieme. Wir unterstützen die Universität der Bundeswehr in München, macht ihr mit?
Die Universität der Bundeswehr München (UniBw M) und das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen benötigen Deine Unterstützung, um unser Angebot noch zielgerichteter zu gestalten!
In Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes „STRESS“ wird ein PC-basiertes Stresstraining für den Rettungsdienst bzw. für das Rettungswesen konzeptioniert und umgesetzt. Dazu hat das Team der UniBw M zwei Online-Befragungen erstellt, zu denen nun deine Expertise gefragt ist.
Wir haben den Flyer der UniBw M für den ersten Teil der Online-Befragung angehängt, vielen Dank für die Teilnahme – damit fördert ihr die Stressforschung und werdet selbst ein Teil der angewandten Forschung, denn die erlangten Erkenntnisse sollen euch im Training und in der Vorbereitung auf eure Einsätze bestmöglich helfen.

Link direkt zur Umfrage: https://survey.unibw.de/SST/
Der zweite Teil der Online-Umfrage folgt in ca. drei Wochen. Ihr könnt unabhängig voneinander an den Befragungen teilnehmen oder – im besten Fall – alle zwei Teile mitmachen!
Neue Wege in der digitalen Ausbildung für RettungsorganisationenErste Hilfe, Stress, Computerspiel – Wie passt das zusammen und kann neue, innovative Wege im Rettungswesen eröffnen?
In vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Stressresilienz durch Exposition in der simulierten Vorsichtung (STRESS)“ (Förderkennzeichen 13N16309) wird wissenschaftlich untersucht, was (z. B. Geruch, Geräusche, Verletzungsmuster, Überforderung, etc.) bei Rettungskräften in einer Situation mit vielen Verletzten zu Stress führt bzw. wie die Rettungskräfte mit diesem Einsatzstress umgehen. Konkret geht es um Fragen wie: Was erzeugt warum und wie Stress? Wie können wir diesen Stress messen? Wie lässt sich die Resilienz der Rettungskräfte fördern? Wie lässt sich die Handlungssicherheit in MANV- und Terrorlagen steigern? Neben der Beantwortung der Forschungsfragen wird langfristig auch ein kommerziell nutzbares Computerspiel entwickelt, mit dem Rettungskräfte digital die Sichtung und Erstversorgung von Verletzten einüben können sowie eine Aufklärung zum Umgang mit akutem Stress erhalten. Das interdisziplinäre Projektteam vereint dabei Expertise aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Pädagogik, Sportwissenschaft, Informatik und Game Development. Das Projekt ist im Förderprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“ angesiedelt und mit einer Gesamtfördersumme von 1,26 Millionen Euro für eine Projektlaufzeit von insgesamt 2 Jahren dotiert.
Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie Forschung und Innovation Hand in Hand gehen, wenden Sie sich bitte an: presse@therabytes.de.
Projektbeteiligte & Partner:
Die Thera Bytes GmbH ist ein unabhängiger Spieleentwickler aus München, der 2015 vom Branchenkenner Thorsten Feldmann gegründet wurde und heute knapp 20 MitarbeiterInnen beschäftigt. Die Firma produziert und veröffentlicht Computerspiele für PC, Konsole und VR und arbeitet ebenso im Kundenauftrag.
Die Active Fungus GmbH ist ein im Jahr 2020 von Jakob Braun in München gegründeter Spieleentwickler. Schwerpunkt der Firma ist die Entwicklung von Computerspielen als Erfahrung, die sowohl unterhalten als auch Spieler:innen tief in die jeweilige Thematik eintauchen lassen und zum Denken anregen.
Die im Jahr 1973 gegründete Universität der Bundeswehr München (UniBw M) mit Sitz in Neubiberg ist eine von zwei Universitäten der Bundeswehr. Neben der akademischen Ausbildung von Offizierinnen und Offizieren betreibt die UniBw M vielfältige Forschung in gesellschaftsrelevanten Bereichen.
Das Bundeswehrkrankenhaus Ulm ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und überregionales Traumazentrum. Als akademisches Krankenhaus der Universität Ulm bestehen langjährige Forschungskooperationen mit der Universität und dem Uniklinikum Ulm insbesondere auf dem Gebiet der Traumaversorgung und der Notfallmedizin.
Das Bayerische Zentrum für besondere Einsatzlagen ist ein europaweit einzigartiges Trainings- und Simulationszentrum. Modernste Technik in Kombination mit innovativem Austausch aus Wissenschaft und Praxis werden Einsatz- und Führungskräfte optimal auf aktuelle und zukünftige Gefahrenlagen vorbereitet. Unterstützt durch den Freistaat Bayern, ist das BayZBE eine dem Katastrophenschutz verpflichtende Einrichtung mit höchstem Innovationsstandard.
Zahlen, Daten, Fakten | Das BayZBE im Jahr 2023
Am späten Abend des 08. September waren viele Bewohner der Region Al Haouz, eine bergige Gegend südlich von Marrakesch, Marokko, bereits zu Hause oder schon am Schlafen, als die Erde anfing zu Beben. In den kommenden Sekunden wird die Region vom stärksten instrumentell aufgezeichneten Erdbeben in Marokko, auf der Richterskala mit 6,4 M angegeben, erschüttert. Nur 19 Minuten später trifft ein Nachbeben die bereits aufgewühlte Gegend, Menschen, die zu dem Zeitpunkt auf den Straßen waren, werden von weiteren einstürzenden Gebäuden getroffen. Drei Tage später geben die marokkanischen Behörden die Opferzahlen mit 2.960 Menschen an. UNICEF spricht von 100.000 betroffenen Kindern. Die internationale Hilfe läuft nur sehr verzögert und sehr selektiv an.
Zwei Tage später erreichte der Medicane Daniel das lybische Festland, nachdem schwerste Regenfälle in Griechenland, der Türkei und Bulgarien bereits über 20 Todesopfer, Hunderttausend verendete Tiere und gewaltige Überschwemmungsgebiete zurückgelassen hatten. In Lybien kommt es zu den schwersten Regenfällen seit 40 Jahren, allein in al-Baida, werden 414 mm binnen 24 Stunden gemessen, wodurch 50 Menschen sterben. Auf Grund der Wassermassen brechen in Folge zwei Staudämme südlich von Darna und lassen 30 Millionen Kubikmeter Wasser frei, so dass es zu Überschwemmungen von bis zu 10 Meter kommt. Die ersten Todesmeldungen sprachen von 11.300 Toten, später wurden 4.540 Todesfälle offiziell bestätigt. Mehr als 880.000 Menschen sollen von der Flut betroffen gewesen sein. Hilfsangebote für die verwüstete Stadt kam aus der Türkei, den VAE und Ägypten. Auch Deutschland bot Unterstützung an.
Innerhalb weniger Tage erlebte die Welt zwei gewaltige Naturkatastrophen. Während bei der zweiten auf Grund der instabilen Lage im betroffenen Staat nur schwer geholfen werden konnte, wurde im ersten Fall viel angebotene Hilfe abgelehnt.
Aber was ist eigentlich internationale Katastrophenhilfe? Wer hilft hier wem, und wie kann geholfen werden? Was sind die rechtlichen Bedingungen, und wann stößt man an Grenzen der Hilfeleistung? Wird ad-hoc geholfen oder gibt es feste Strukturen? Welche Akteure sind da beteiligt und wie kann man selbst helfen?
All diese Fragen werden im nächsten BayZBE-Podcast aufgegriffen, mit der Veröffentlichung des ersten Teils am 22.02. auf allen Plattformen, auf denen man Podcast hören kann. Im März wird das Gespräch zwischen Christoph Schrott, dem Teamleiter Bildung im BayZBE, und Wilko Beinlich, zwar auch vom BayZBE, aber in der Rolle des studierten Experten für internationale Katastrophenhilfe, in einem zweiten Teil des Podcast weiter vertieft.
Das BayZBE trägt zwei „B“ im Namen, neben der Örtlichkeit als bayerische Initiative und Leuchtturmprojekt, die Eingrenzung des Einsatzfeldes, bei besonderen Lagen. Neben Lagen in Folge einer beabsichtigten Gewaltanwendung und einer Eigengefährdung für Rettungskräfte sind hier vor allem Großschadenslagen mit hoher Komplexität gemeint – also im Prinzip alle Naturkatastrophen, wie Hochwasser, Erdbeben, Waldbrände, die weitreichende Zerstörungen, eine hohe Anzahl an Opfern und eine mögliche Übersteigung der eigenen Wehrhaftigkeit auslösen – eine schwerwiegende Störung des Gemeinwesens. Wenn internationale Hilfeleistungen benötigt werden, sind diese Parameter ausgereizt, und für die örtlichen und externen Helfer bedarf es auf Grund der Komplexität, auch bei organisationsübergreifender, grenzübergreifender Zusammenarbeit fester Strukturen. Ziel ist es, im Großen, wie im kleinen, Leben zu retten, Leiden zu lindern und die Menschenwürde zu wahren.
Diese Ziele können im Vorfeld gestärkt werden, z.B. durch die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 oder den Verringerungs- und Verbesserungszielen im Sendai Framework, und müssen in der Lageentwicklung, durch Grundsätze der Humanitären Charta, aufrechterhalten werden. Und im Nachgang einer Katastrophe greifen dann möglicherweise Aspekte der Entwicklungshilfe, während die humanitäre Hilfe eher kurzzeitige Erfolge anstrebt: Nothilfe, Wiederaufbauhilfe und auch zivile Konfliktprävention.
Hilfe sollte gemäß den humanitären Grundprinzipien verteilt werden, Menschlichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit. Aber wie an den Eingangsbeispielen angedeutet, selbst wenn Hilfe gebraucht, Hilfe aus Drittstaaten angeboten, aber diese nicht angenommen oder auf Grund der geographischen oder einer instabilen politischen Lage, nicht die Betroffenen erreichen kann, stößt der internationale Hilfemechanismus an seine Grenzen. Wenn der humanitäre Zugang nicht gegeben ist, kann zwar an Entscheidungsträgern von betroffenen Staaten appelliert werden – aber es gilt, man hilft nur, wenn nach Hilfe gefragt wird. Erst bei schweren Menschenrechtsverletzungen müsste die internationale Staatengemeinschaft von der Pflicht der humanitären Intervention Gebrauch machen. Die Staaten selber haben gemäß allgemeinem Völkerrecht eine Schutzverantwortung zur Prävention, Reaktion und Wiederaufbau im Katastrophenfall.
Im Podcast wird neben einer Betrachtung der rechtlichen Grundlagen und Pflichten dann auch auf die Art der Hilfeleistung eingegangen. In welchen Clustern wird Hilfe geleistet, wer ist dafür verantwortlich und wie wird das finanziert? Allein 2022 sollen über 270 Millionen Menschen laut der Global Humanitarian Overview der UN bedürftig gewesen sein.
Wilko erzählt dann aus seiner Erfahrung bei der EU-Kommission im DG-ECHO den Prozess der Hilfeleistung durch den europäischen Katastrophenschutzmechanismus im Vergleich zu den globalen Strukturen von OCHA, UN. Welche Tools werden für den Informationsaustausch genutzt, wo sitzen die koordinierenden Stellen, wer meldet sich bei wem, und wie werden Bedarfe des Betroffenen mit den Angeboten der Hilfestellenden abgeglichen.
Während in Brüssel im ERCC eine 24/7 Echtzeitbeobachtung und Fernerkundungen mit den Ersuchen von Betroffenen Staaten zusammenlaufen und koordiniert werden, läuft zeitgleich der operative Teil irgendwo auf der Welt an: Speziell ausgebildete Teams halten Equipment vor und können innerhalb weniger Stunden zum Einsatzort fliegen. Hier ist es ähnlich wie beim erst eintreffenden RTW: Erstmal leisten auch die SAR-Teams die Arbeit im Reception Center, also die Registrierung eintreffender Helferteams und Verteilung des Equipments oder der humanitären Güter. Später übernehmen dann UNDAC-Team diese Verwaltung. In Folge läuft jede Naturkatastrophe relativ strukturiert ab, nach dem Scale-Up Prozess der UN, durch das Inter Agency Standing Committee, IASC, welches humanitäre Lösungsstrategien entwickelt. Zwei sektorübergreifende Schnellbewertungsphasen folgen aufeinander, bei denen ein Austausch mit den lokalen Behörden und die Bedarfserhebung der benötigten Cluster/Sektoren nach humanitären Gesichtspunkten getroffen werden: Umfang des Ereignisses, Komplexität, Dringlichkeit, Kapazitätsverfügbarkeit und Risiko der Nichterfüllung. Danach werden Prioritäten definiert, Finanz-Ressourcen zugewiesen und der ganze Apparat setzt sich sowohl operativ als auch von der Verwaltungsseite in Bewegung.
Christoph, der während der Aufzeichnung schon am liebsten selbst in einen Flieger zum nächsten Einsatzort gestürmt wäre, fragt dann doch noch mal genauer nach, an welcher Stelle in dieser Struktur man den helfen könnte. Da diese besonderen Katastrophen in ihrer Komplexität sehr vielschichtig sind, werden in der internationalen Katastrophenhilfe eine ganze Bandbreite an Akteuren gesucht, sei es auf der koordinierenden Seite für eine nationale Behörde oder auf EU-Ebene und bei der UN, oder als medizinisches Personal für Ärzte ohne Grenzen, die Rotkreuzbewegung oder als Helfer für eine NGO wie NRC, IRC, als SAR-Einsatzkraft für das THW oder ISAR. Elementar ist in allen Facetten die umfangreiche Vorbereitung, die Zusatzqualifikationen, die proaktiven Sicherheitsmaßnahmen und das Bewusstsein, dass man an potenzielle Einsatzkraft in einer Naturkatastrophe zusätzlich zu den bestehenden Qualifikationen erhalten sollte.
In Zeiten der immer stärker werdenden Klimakrise und einer Besiedelung von auch eher unwägbaren Gebieten, wird es in Zukunft immer öfters zu Naturkatastrophen mit extremen Folgen kommen. Beispiele aus den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, mit der richtigen Vorbereitung und einer gemeinsamen, internationalen Kraftanstrengung, mit der Formulierung und dem Hochhalten von Menschenrechten, Völkerrecht und Definition von Mindeststandards, der Optimierung von Prozessen wie dem Sendai Framework, der erhöhten Digitalisierung und fortschreitenden technischen Lösungen, werden wir immer besser und schneller Menschen nach Naturkatastrophen in gemeinsamen, koordinierten Aktionen, helfen können – Ziel ist es, dass die Weltgemeinschaft einen Bounce- Back-Better-Effekt kreieren kann, und dass jeder Betroffene, unabhängig von politischen Entscheidungen, schnellstmöglich Hilfeleistungen erhalten kann. Am Beispiel des Erdbebens in Al Haouz, nicht erst nach 96 Stunden – denn dann sind Glücksfunde unter den Trümmern, wie nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien am 06. Februar 2023 die Ausnahme.
BayZBE wächst weiterZum 01.01.2024 durften wir drei neue Mitarbeiter in unserem Team im Trainingszentrum begrüßen. Damit wachsen wir weiter und steigern unsere Belegschaft um etwa 20 %.
Der Bereich der Bildung freut sich über die Unterstützung von Lena, Jakob und die Verwaltung von Jonas. Nachfolgend stellen sie sich kurz vor:
Lena:
Mein Name ist Lena Albersdorfer und bin 39 Jahre alt. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) im Betreuten Wohnen absolvierte ich die Ausbildung zur Rettungsassistentin, später die Ergänzungsprüfung zur Notfallsanitäterin und bin seit 2006 als solche im Rettungsdienst tätig. Des Weiteren bin ich beim BRK sowie den Maltesern und der Feuerwehr ehrenamtlich tätig.
2019 begann ich ein berufsbegleitendes Studium zur B. A. Berufspädagogin im Gesundheitswesen – Fachrichtung Rettung und wechselte aus diesem Grund 2020 an eine Berufsfachschule für Notfallsanitäter. Während dieser Tätigkeit qualifizierte ich mich zur Qualitätsmanagementbeauftragten sowie Simulationstrainerin. Seit 01.01.2024 bin ich am Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen in Windischeschenbach im Bereich Bildung zur Konzeptionierung von Bildungsinhalten tätig.
Jakob:
Ich bin Jakob Volkert, 26 Jahre alt, und komme aus dem Landkreis Nürnberger Land.
Seit dem 01.01.2024 bin ich als Mitarbeiter im Bereich Bildung Teil des BayZBE.
Als Notfallsanitäter und Einsatzleiter Rettungsdienst bin ich seit mehreren Jahren als haupt- und ehrenamtliche Einsatzkraft im bayerischen Rettungsdienst und Katastrophenschutz tätig. Darüber hinaus engagiere ich mich seit meiner Jugend bei der Freiwilligen Feuerwehr. Neben meiner Tätigkeit im BayZBE studiere ich berufsbegleitend Rechtswissenschaften an einer Fernuniversität.
Im BayZBE zählen unter anderem die Lehrgangsevaluation und Neukonzeption von Bildungsinhalten zu meinen Aufgaben.
Jonas:
Mein Name ist Jonas Hammer und bin 25 Jahre alt, von klein auf bin ich bei der Wasserwacht aktiv und seitdem 17 Lebensjahr in der Jugendarbeit und als Sanitäter tätig. Seit 2 Jahren bin ich zusätzlich als Erste-Hilfe Ausbilder unterwegs und lehre jungen sowie erfahrenen Kursteilnehmer Erste-Hilfe Maßnahmen sowohl intern als auch extern.
Zudem habe vor ca. 4 Jahren meinen Wirtschaftsfachwirt und vor ca. 1 Jahr den Social-Media Manager bei der IHK abgeschlossen. Das BayZBE war mir ab 2019 bekannt, als dies die Toren eröffnet hat, nun bin ich umso glücklicher hauptamtlich das BayZBE im Bereich Controlling und Verwaltung unterstützen zu dürfen.
Wir wünschen unseren neuen Mitarbeiter viel Spaß und Erfolg bei uns im Team.
Die Zukunft der Bergwacht im KatastrophenschutzDie Bergwacht Bayern stellt den Rettungsdienst im unwegsamen und alpinen Gelände der bayerischen Hoch- und Mittelgebirge sicher. Etwa 3500 Bergretter und Bergretterinnen, organisiert in 109 Bereitschaften und 7 Regionen, engagieren sich zu 100% ehrenamtlich getreu dem Motto „Zu jeder Zeit, bei jedem Wetter, in jedem Gelände“, um verletzten, erkrankten oder in Not geratenen Personen zu helfen.
In den vergangenen Jahren waren die speziellen Fähigkeiten der Bergwacht Bayern auch bei verschiedensten Katastropheneinsätzen gefordert. Beim Hochwasser in Deggendorf 2013 konnten die Bergrettungsfahrzeuge dank ihrer Wattiefe in Gewässern eingesetzt werden, welche für Boote zu seicht waren, und halfen so bei Logistik, Evakuierungen und Rettungseinsätzen. Während der Schneekatastrophe 2019 unterstützten die geländegängigen Bergrettungsfahrzeuge den Landrettungsdienst. Zusätzlich waren viele Bergretter zur Sicherung von Einsatzkräften anderer Organisationen (Feuerwehr, THW, Bundeswehr, etc.) beim Abschaufeln von Dächern, Gebäuden und weiteren Objekten gefordert. Zuletzt war das KnowHow der Bergwacht Bayern bei den Waldbränden in Niederösterreich 2021 sowie in Sachsen und Tirol 2022 gefordert. Die Erfahrung aus ähnlichen Einsätzen in Bayern, die daraus entwickelten Verfahren und die seit mehreren Jahren vorgehaltene und immer wieder überarbeitete Spezialausrüstung trugen zu einem sicheren Einsatz bei.

Die Bergwacht Bayern bleibt auch in der Zukunft ein verlässlicher Partner im Katastrophenschutz und fokussiert sich dabei weiter auf ihre Stärken. Hierzu gehören die verschiedensten Geländefahrzeuge, welche für Voraustrupps, Logistik im Schadensgebiet, Transport von Fachpersonal zur erweiterten Lagebeurteilung vor Ort, Rettungseinsätze, aber auch zur Absicherung von Einsatzkräften anderer Rettungsorganisationen dienen. Ebenso ist die Bergwacht erfahren im Umgang mit Hubschraubern und deckt die gesamte Bandbreite, von der Vorbereitung eines Landeplatzes über Koordination und Betankung vor Ort bis hin zur Bereitstellung von Luftrettern für anspruchsvollste Szenarien, ab. Die bereits angesprochenen Fähigkeiten im Bereich Vegetationsbrand werden auch weiterhin ausgebaut und optimiert, um den zu erwartenden zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden.

Autarke Einheiten für den Rettungs- und Erkundungseinsatz spielen bei vielen Naturkatastrophen eine große Rolle. So wurde beispielsweise aus dem Ahrtal in kurzer Zeit ein großes Gebiet „unwegsames Gelände“ und damit primäres Einsatzgebiet der Bergwacht. Techniken wie hochmoderne Drohnen oder Kommunikationsmöglichkeiten via Satelliten sowie Einsatzkräfte, die es gewohnt sind unter widrigsten Bedingungen ihren Einsatz abzuarbeiten, sind in den ersten Stunden / Tagen im Katastropheneinsatz unverzichtbar. Bis Infrastruktur aufgebaut ist können Einsatzkräfte der Bergwacht autark aus dem Rucksack leben. Dies und hohe Risikokompetenz sind Ihr tägliches Brot in der Hauptaufgabe „Rettungseinsatz im Alpingelände“.

Autor: Toni Vogg, Leiter Fachausschuss Bildung/Einsatz/Technik der Bergwacht Bayern
Bildrechte: Maximilian Zeuch
Stabsarbeit der Einsatzleitung in besonderen EinsatzlagenDie Gefährdungslandschaft in Deutschland hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verändert. Dies belegen jüngste Beispiele wie der pandemische Ausbruch von SARS-CoV-2 und die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz im Jahr 2021. Daraus resultiert ein steigender Anspruch sowohl an die Strukturen als auch an die Akteure des deutschen Bevölkerungsschutzes. Dies betrifft auch den Bereich Einsatzführung. Bei hochkomplexen Schadensereignissen ist die Führung und Koordination der operativen Einsatzkräfte ein wesentlicher Einsatzfaktor. Übersteigt ein Einsatzszenario eine gewisse Dimension, so werden Stäbe zur Führungsunterstützung eingesetzt.
Doch was ist eigentlich ein Stab?
Ein Stab ist grundsätzlich ein Unterstützungs- und Beratungsgremium für einen Entscheidungsträger. Im Bereich der BOS unterstützen Stäbe den Einsatz- bzw. Abschnittsleiter. Im Kleinen erfolgt dies durch Unterstützungsgruppen, wie beispielsweise die UG ÖEL oder die UG SanEL. Bei koordinierungsbedürftigen Ereignissen oder Katastrophen kommt die Führungsgruppe Katastrophenschutz als administrativ-organisatorischer Führungsstab zum Einsatz.

Zentrale Vorschrift für Führung und Einsatzleitung ist die (Fw)DV 100
Diese regelt als gängiges Führungssystem im deutschen Bevölkerungsschutz länderübergreifend die Aufbau- und Ablauforganisation im Bereich der Einsatzführung und gibt einen Überblick über Führungsmittel.
Wie ist ein Stab aufgebaut?
Nach DV 100 existieren gängige Stabsgrundfunktionen, welche auch Sachgebiete genannt werden. Grundsätzlich kommen vier Stabsgrundfunktionen zum Einsatz (S1-S4), welche bei Bedarf um zwei (oder auch drei) Funktionen (S5, S6 und S7) erweitert werden können. (FwDV100)
Die Funktion S1 kümmert sich um den Bereich Personal bzw. um den inneren Dienst.
Das Sachgebiet S2 bearbeitet die Lage. Im Bereich S3 wird der Einsatz abgewickelt.
Die Funktion S4 ist für die Versorgung zuständig.
Bei Bedarf wird der Stab durch die Bereiche Presse- und Medienarbeit (S5), Informations- und Kommunikationswesen (S6) und Psychosoziale Notfallversorgung (S7) ergänzt. Oftmals kommen auch Verbindungspersonen, wie beispielsweise ein Polizeibeamter als Vertreter der Landespolizei, im Stab zu Einsatz.

Mehr zum Thema Stabsarbeit besprechen wir mit unserem Gast Sebastian Herbe in unserem nächsten Podcast.
Resilienzsteigerung durch VorbereitungWenn die Alarmsirene los geht, die Warn-App aufblinkt oder das Licht ausgeht, ist rasches Handeln gefragt, um mögliche Folgeschäden des Ereignisses zu minimieren – für die unmittelbar von der Katastrophe Betroffenen und für die Einsatzkraft und deren/dessen Familie ebenso.
Im Falle eines Stromausfalls ist die Ursache dessen, ob nun durch ein Extremwetter ausgelöst oder durch einen Fremdeingriff, eher zweitranging. Auswirkungen auf mögliche Konsequenzen hat nur die mögliche Dauer der stromlosen Zeit und wie gut man persönlich, als Einsatzkraft mit Training und Ausbildung und als Privatperson auf eine sich aufbauende oder plötzlich eintretende Katastrophe vorbereitet ist.
Und wie kann Vorbereitung gemessen werden? Durch eine vorherige Festlegung von Schutzzielen und dem Aufbau von Ressourcen, um eben diese im Notfall einhalten zu können und verfügbar zu haben.
Als Einsatzkraft kann ich in einer potenziellen Großschadenslage, bei der ich selbst betroffen bin, nur helfen, wenn meine eigene Sicherheit, und damit eingeschlossen das engere, soziale Umfeld, gewährleistet oder aufrechterhalten werden kann. Das Wissen des eigenen Schutzes entlastet und bietet die Möglichkeit zurück zu strukturierten Ablaufplänen zu kommen und den Fokus auf die Hilfeleistung für (ebenso) Betroffene zu setzen. Ich werde resilienter, wenn es einen Plan B, einen Notfallkoffer oder eine Handlungsanweisung gibt – denn im akuten Fall herrscht keine Zeit oder keine Möglichkeit mehr, sich vorzubereiten oder Absprachen zu treffen. Das Gefühl mit Selbstwirksamkeit einen Einfluss zu haben negiert die Hilfslosigkeit des Unvorbereitet sein.
Es gibt eine Vielzahl von empfohlenen Notfallvorräten, für einen selbst, für die Familie und am besten auch die direkte Nachbarschaft mit vielen weiteren potenziellen vulnerablen Bedürftigen. Die private Vorsorge umfasst Bereiche wie einen Wasser- und Lebensmittelvorrat, das Kochen, Heizen und Beleuchten ohne Strom, Informationsbeschaffung, Erste-Hilfe, Sicherheitsaspekte und vieles mehr.
Durch die Definition eines Schutzziels, z.B. den eigenen Haushalt für mehrere Tage stromquellenunabhängig ohne Abstriche zu versorgen, bietet bei ausreichender Vorbereitung die Möglichkeit, auch bei eigener Betroffenheit einen Hilfsauftrag übernehmen zu können.
Wenn dann das Licht ausgeht, ist alles bereits vorhanden, die Hektik in der (eigenen) Chaosphase kann reduziert werden.
Geplant sein muss, wie man sich beim Blackout mit anderen Einsatzkräften austauschen kann. Gibt es Alternativen zum Festnetz, zum Internet, zum Mobilfunk? Welche alternativen Kontaktmöglichkeiten gibt es? Gibt es einen Treffpunkt und ist bekannt, zu welchem Zeitpunkt dieser angesteuert wird? Gibt es erste Schritte, die ein Vertreter der Hilfsorganisation unternehmen muss (Kat-Leuchtturm aufsperren, Kältewache starten, Notverpflegung aus dem Supermarkt holen, Notreserven an Benzin/Diesel verlagern, Abholservice, Überprüfen des notwendigen Materials auf aktuelle Vollständigkeit).
Zur Steigerung der eigenen Resilienz, also der Möglichkeit Widerstände zu bewältigen, sollte auf eigene Pläne zurückgegriffen, erlerntes als Multiplikator im eigenen Sozialraum geteilt und für den Eintrittsfall die vorhin beschriebenen Sofortmaßnahmen mit Verantwortlichen und Stellvertretern versehen werden. Anschließend kann proaktiv in den eigenen Hilfsorganisationen, Feuerwehren, Bürgervertretungen, Sportvereinen und sonstigen Gruppen nachgefragt und ausgetauscht werden: Habt ihr Vorkehrungen getroffen? Habt ihr eine Informationshandreiche? Braucht ihr Unterstützung im Notfall? Wisst ihr, wo man sich im Falle informieren kann oder um Hilfe bitten kann?
Vorbereitung reduziert die Chaosphase und bietet die Möglichkeit die eigenen Schutzziele zu identifizieren, sich der eigenen Sicherheit bewusst zu werden und damit zügiger und mit vollem Fokus um andere zu kümmern.
Anderen helfen ist nur möglich, wenn man selbst nicht hilfsbedürftig wird.
/Wilko Beinlich
Blackout – langfristiger StromausfallIm Jahr 2019 war die Stromversorgung je Verbraucher in Deutschland laut BNetA durchschnittlich nur 12,2 Minuten unterbrochen.
Die veränderte Gefahrenlage durch die mögliche Sabotageakte, Extremwetterlagen und einer möglichen Energiemangellage haben das Blackout-Szenario medial präsenter gemacht . Eine angepasste, strukturelle und/oder private Vorbereitung sowie eine umfassende Aufklärung können mögliche Konsequenzen, vor allem für KRITIS-Liegenschaften, frühzeitig und im Bedarfsfall
deutlich senken.
Im Endeffekt ist die Ursache eines Blackouts hintergründig, nur die erwarte Dauer einer Unterbrechung ist abhängig vom Grund: Durch eine primäre Prävention, wie der Definition von Schutzzielen für die eigene Sicherheit und zur Vermeidung von Versorgungsausfällen bei Hilfsorganisationen wird die Krisenresilienz gesteigert. Eine sensible und kontextuale Aufklärung ist
notwendig!
Im Großen Dashboard zum Thema Blackout geben wir euch Einblicke in die möglichen Ursachen eines Stromausfalls, über die Konsequenzen, die persönliche und Institutionelle Vorbereitung und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Hilfsorganisationen.
Hier geht`s zum vollständigen Dashboard Blackout!
