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Zivilschutzposter 2.0

Zivilschutz auf dem neuesten Stand – Unser aktualisiertes Zivilschutz-Poster.

Vor rund einem Jahr haben wir unser Zivilschutz-Poster vorgestellt und an alle bayerischen Hilfsorganisationen verteilt. Das Poster sollte als Leitfaden dienen, um dieses weitläufige und aufgrund der Komplexität schwer greifbare Thema auf einem A0-Poster einheitlich überblicken zu können und um somit für euch – den Einsatzkräften – eine Einstiegshilfe für die zentralen Themen des Zivilschutzes an die Hand zu geben.

Nachdem das Poster so guten Anklang gefunden hat, haben wir innerhalb der letzten Monate auch zwei Sonderforen zum Zivilschutz abgehalten, um auch über diesen Weg kompakt alle abzuholen.

Nun, Mitte 2026 und somit ein Jahr später, haben wir das Poster der aktuellen Entwicklung angepasst.

Was hat sich geändert?
Neue Herausforderungen, aktualisierte Rahmenbedingungen und bereits umgesetzte Maßnahmen zeigen eindrucksvoll, wieviel in diesem Bereich einerseits bereits passiert ist, wieviel es andererseits allerdings auch noch umzusetzen gilt.

Ab sofort steht das aktualisierte Poster zur Verfügung. Unter nachfolgenden Link kann man sich das Poster als PDF herunterladen oder auch gern digital durchstöbern: https://bayzbe.online/zivilposter

Für eine weitere Vertiefung führt euch der am Poster befindliche QR-Code auch zu einem vertiefenden Mirco-Learning. Hierin findet ihr noch mehr Informationen sowie die Ausformulierungen hinter den teils nur mit Schlagwörtern befindlichen Themen. Dies befindet sich derzeit noch in der Aktualisierungsphase, wird aber sukzessive innerhalb der nächsten Wochen ebenfalls auf den aktuellen Stand gebracht!

Allerdings gilt auch für diese neue Version: Änderungen finden laufend statt. Bewertet Angaben daher gern kritisch und nutzt das Poster für das, für was es auch gedacht ist: als euer Einstieg in eine weitere Recherche zu diesem Thema.

 

 

Packen für längerfristige Einsätze – T2

Packsysteme für Einsatzkräfte – von Line 1 bis INCH-Bag

Bei diesem Artikel handelt es sich um Teil 2 einer Reihe zum Thema längerfristige Einsätze und Packen.

Im ersten Teil wurde bereits dargelegt, dass die Ausrüstung, die Einsatzkräfte während ihrer Einsätze mitführen, einen Resilienzfaktor darstellt, der mit zunehmendem Aufwuchs, steigender Einsatzdauer und wachsender Dynamik immer wichtiger wird und maßgeblich zur Durchhaltefähigkeit beitragen kann. Die Frage, ob Einsatzkräfte ihre persönliche Ausrüstung vorbereiten sollten, stellt sich dementsprechend deutlich weniger als die Fragen, wann und was sie packen sollen (oder können).

Teil 2 dieser Reihe beschreibt daher unterschiedliche Packlogiken und Packsysteme, die auch für zivile Einsatzkräfte des Zivil- und Katastrophenschutzes relevant sein können. Dabei wird erläutert, wo diese Systeme Anwendung finden und nach welchen Grundprinzipien sie aufgebaut sind. Gleichzeitig soll verdeutlicht werden, dass mitgeführte Ausrüstung nur dann einen Mehrwert bietet, wenn sie verstanden, beherrscht und im Einsatz sinnvoll genutzt werden kann.

 

1. „No glory in prevention“ oder: Warum wir uns oft nicht ausreichend vorbereiten

Einmal vermittelt und praktisch geübt, dürfte den meisten Menschen bewusst sein, dass eine durchdachte Vorbereitung und Planung in den unterschiedlichsten Lebenslagen effizient, nachhaltig und grundsätzlich erstrebenswert sind.

In einer aktuellen Studie zum Thema Gedächtnislücken (Haas et al., 2026) wird deutlich, dass nur ein geringer Teil alltäglicher Handlungen deshalb nicht ausgeführt wird, weil sie schlichtweg vergessen werden. Der überwiegende Teil ausbleibender Handlungen lässt sich laut der Studie vielmehr auf motivationale Gründe (je komplexer oder schwieriger eine Aufgabe erscheint, desto geringer kann die Motivation sein, sie zu erledigen) sowie auf strukturelle oder externe Faktoren wie Zeitmangel oder fehlenden Platz zurückführen. Je komplexer eine Aufgabe und je geringer das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten oder den Sinn der Aufgabe, so Haas et al. (2026), desto eher wird eine Handlung nicht ausgeführt.

Auf zivile Einsatzkräfte angewandt, lässt sich hier eine ähnliche Tendenz vermuten. Viele hauptamtliche Einsatzkräfte arbeiten im Schichtbetrieb, während ehrenamtliche Einsatzkräfte ihre Dienste und Einsätze zusätzlich zu ihrem Beruf leisten und den Hilfsorganisationen nur einen begrenzten Teil ihrer Freizeit zur Verfügung stellen können. Beide Gruppen arbeiten per se unter engen zeitlichen Rahmenbedingungen, Leistungsdruck und psychischer Anspannung, sobald sie alarmiert werden. Die Zeit zwischen den Diensten gezielt für die Vorbereitung auf eine Lage zu nutzen, die wir als Einsatzkräfte im Idealfall niemals bewältigen müssen, wirkt daher schnell unangenehm.

Dies gilt umso mehr, wenn erstens das Thema privat beschaffter Ausrüstung aufkommt und es notwendig wird, in die eigene Tasche zu greifen, um sich auf Ereignisse vorzubereiten, die möglicherweise niemals eintreten. Verstärkt wird dieser Effekt möglicherweise zweitens dann, wenn Großschadenslagen oder längerfristige Einsätze nicht zum Kerngeschäft der jeweiligen Hilfsorganisation gehören. In diesen Fällen lässt sich der reguläre Einsatzalltag meist auch ohne zusätzliche persönliche Ausrüstung bewältigen. Die Fähigkeit, für längerfristige Einsätze zu packen, wird daher häufig nicht geschult – schlichtweg, weil sie im Alltag bislang nicht benötigt wurde.

Indem er unterschiedliche Packsysteme vorstellt, soll dieser Blogartikel interessierten Einsatzkräften ermöglichen, die grundlegenden Kriterien und Überlegungen zu verstehen, nach denen verschiedene Gruppen ihre Ausrüstung strukturieren und kategorisieren.

2. Packsysteme

Im Folgenden werden unterschiedliche Packsysteme vorgestellt.

Wichtig:

Es geht hierbei ausdrücklich nicht darum, unterschiedliche Personengruppen zu bewerten oder deren Ausrüstung hinsichtlich ihrer Relevanz für verschiedene Einsatzkräfte des Zivil- und Katastrophenschutzes nach Sinnhaftigkeit, Praktikabilität oder anderen Kriterien einzuordnen. Unterschiedliche Organisationen, Fachgruppen und Funktionen bringen unterschiedliche Anforderungen mit sich. Dass es hierfür bislang keine universelle Lösung „von der Stange“ gibt, gilt als gesetzt.

Vielmehr soll ein Verständnis dafür geschaffen werden, nach welchen Kriterien verschiedene Gruppen ihre Ausrüstung strukturieren und organisieren. Ziel ist es, interessierten Einsatzkräften einen thematischen Einstieg zu ermöglichen oder den eigenen Wissensstand kritisch zu reflektieren.

2.1 Medizinisches Notfallset / Notfallrucksack

Auch wenn medizinische Notfallrucksäcke überwiegend als Arbeitsmittel genutzt werden, gibt es insbesondere unter medizinisch ausgebildeten Einsatzkräften zahlreiche Personen, die auch privat einen erweiterten Erste-Hilfe-Koffer, eine Notfalltasche, ein IFAK (Individual First Aid Kit) oder vergleichbare Ausrüstung im Fahrzeug bzw. an der Person mitführen. Welche Ausstattung hierbei sinnvoll ist, unterscheidet sich je nach medizinischer Qualifikation und Einsatzspektrum. Grundsätzlich fällt jedoch auch diese Form der Vorbereitung unter die persönliche Krisenvorsorge.

Packlogiken können unterschiedliche Kriterien verfolgen und sich beispielsweise mithilfe transparenter Modultaschen an Schemata wie dem xABCDE-Algorithmus oder an Kategorien wie „steril“, „nicht steril“, „blutende Wunde“ oder „Kreislauf“ orientieren.

Entscheidend ist dabei weniger, wie die Einteilung erfolgt, sondern dass sie für den Nutzer nachvollziehbar ist und ihn bei seiner Arbeit unterstützt, anstatt ihn zu verlangsamen oder zu behindern. Am Bayerischen Zentrum für besondere Einsatzlagen sind die Teilnehmerrucksäcke beispielsweise nach den Kategorien des xABCDE-Schemas in transparente Modultaschen mit Inhaltsübersicht verpackt. Dadurch werden sowohl die Übersichtlichkeit als auch die Handlungsfähigkeit im Einsatz verbessert.

Grundsätzlich gilt hier dieselbe Logik wie im rettungsdienstlichen Alltag: Setze dich mit deinem Material auseinander, beherrsche es und führe nur das mit, was du tatsächlich anwenden kannst – und anwenden darfst. Ohne zu wissen, wann und wie Atemwege gesichert werden, ist das Mitführen eines Tubus schlichtweg nicht sinnvoll. Ebenso ist das Mitführen von Sauerstoff im privaten PKW in den meisten Fällen weder praktikabel noch erforderlich. Die persönliche Ausrüstung sollte sich daher immer am eigenen Kenntnisstand, den rechtlichen Rahmenbedingungen und dem realistischen Einsatzspektrum orientieren. Zum professionellen Standard gehört außerdem, jederzeit zu wissen, in welcher Tasche sich welches Material befindet – und nicht erst mitten in einem Notfall festzustellen, dass benötigte Ausrüstung bereits vor Wochen verbraucht wurde.
Damit folgt auch der medizinische Notfallrucksack letztlich derselben Grundlogik wie alle nachfolgend vorgestellten Packsysteme: Ausrüstung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn sie strukturiert, beherrscht und im Einsatz sicher eingesetzt werden kann, denn nicht das Material macht den Unterschied, sondern die Fähigkeit, es einzusetzen.

 

2.2 Lines of Gear – Ausrüstung in Schichten

Die zuvor beschriebene Einteilung medizinischer Ausrüstung verdeutlicht bereits ein Grundprinzip, das sich auch in vielen anderen Packsystemen wiederfindet: Ausrüstung wird nicht zufällig zusammengestellt, sondern nach Funktion, Verfügbarkeit und Einsatzzweck strukturiert. Im militärischen Bereich findet sich diese Denkweise in einer besonders klaren Form im sogenannten „Lines-of-Gear“-System.

Dort ist das Prinzip der Lines of Gear weit verbreitet, dessen grundlegende Einteilungslogik im Folgenden erläutert werden soll. Im Mittelpunkt dieser Systematik steht die Frage, welche Ausrüstung zur Erfüllung eines konkreten Einsatzauftrages tatsächlich erforderlich ist. Ziel ist es, Ausrüstung nicht nach Gegenständen, sondern nach ihrer Funktion sowie ihrer Verfügbarkeit im Einsatz zu organisieren.

Grundsätzlich wird die Ausrüstung hierzu in unterschiedliche Schichten („Lines“) eingeteilt, deren Zuordnung sich unter anderem nach Notwendigkeit und unmittelbarer Verfügbarkeit richtet (Weisswange, 2026). Beschrieben wird dieses Packsystem unter anderem in einem offiziellen Dokument des Department of the Air Force (2005).

 

2.2.1 Line 1

Kapitel 13.4.8 des SERE Instruction Manual beschreibt die grundlegenden Anforderungen an die Ausrüstung der Line 1 wie folgt:

„The first line of equipment and clothing is the basic necessities for personal defense, survival, evasion and escape.“ (Department of the Air Force, 2005, S. 139)

Dombrowski (2024) ergänzt dieses Grundprinzip um die notwendige Anpassung an unterschiedliche Klimazonen und Sicherheitslagen.

Zusammengefasst umfasst die Line 1 die minimale Ausrüstung, die erforderlich ist, um das jeweilige Einsatzszenario überleben zu können. Sie wird unmittelbar am Körper getragen und soll grundsätzlich nicht abgelegt werden. Hierzu zählen beispielsweise vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung, Navigations- und Orientierungsmittel, Ausrüstung zur Wasseraufbereitung, Möglichkeiten zum Feuermachen sowie ein kleines IFAK für den Eigengebrauch. Dombrowski (2024) beschreibt diese Ausstattung im Kontext von Krisengebieten treffend als das persönliche „Handgepäck“ einer Einsatzkraft (S. 53).

 

2.2.2 Line 2

Auch die Line 2 wird weniger über ihr Packmaß oder einen bestimmten Ausrüstungsgegenstand – etwa einen klassischen Einsatzrucksack – definiert als vielmehr über ihren Zweck innerhalb der Auftragserfüllung.

Die im militärischen Bereich vorgesehenen Waffen und sonstigen kampfbezogenen Ausrüstungsgegenstände werden an dieser Stelle bewusst ausgeklammert, da sie für zivile Einsatzkräfte keine Relevanz besitzen.

Im Unterschied zur Line 1 kann die Ausrüstung der Line 2 kurzfristig abgelegt werden, ohne dass dadurch die unmittelbare Auftragserfüllung gefährdet wird. Sie erweitert die Grundausstattung der Line 1 beispielsweise um Kommunikationsmittel wie Funkgeräte oder Mobiltelefone, Nässeschutz, zusätzliche Verpflegung sowie Hygieneartikel (Weisswange, 2026). Dombrowski (2024) beschreibt die Line 2 im Kontext von Krisengebieten als Erweiterung der persönlichen Ausrüstung auf eine Eigenversorgungsfähigkeit von etwa 48 bis 72 Stunden.

Dieses Prinzip lässt sich auch auf Einsatzkräfte der BOS gut übertragen. Sowohl Line 1 als auch Line 2 können vergleichsweise einfach vorbereitet und bereits im regulären Einsatzdienst sinnvoll umgesetzt werden.

 

2.2.3 Line 3

Für zivile Einsatzkräfte gewinnt insbesondere die Line 3 bei längerfristigen Einsätzen und anhaltenden Schadenslagen an Bedeutung. Im Mittelpunkt steht hier nicht mehr das unmittelbare Überleben, sondern die Aufrechterhaltung der Einsatzfähigkeit über einen längeren Zeitraum.

Das Department of the Air Force beschreibt diesen Ansatz folgendermaßen:

„The load is designed to provide the minimum necessities for living in the field and is normally carried in the rucksack. Only those items essential to mission accomplishment are carried. Excess weight induces fatigue and subsequent decreased combat efficiency.“ (Department of the Air Force, 2005, S. 139)

Nach Dombrowski (2024) umfasst die Line 3 sämtliche Ausrüstung, die für den gesamten Aufenthalt erforderlich ist. Welche Gegenstände hierzu zählen, hängt maßgeblich vom Auftrag sowie vom erforderlichen Grad der Eigenbeweglichkeit während des Einsatzes ab.

Für zivile Einsatzkräfte können hierzu – abhängig von Einsatzauftrag, entsendender Organisation und Lagebild – beispielsweise Schlafsack, Zelt, Wechselbekleidung, technische Ausrüstung, Stromversorgung oder weitere Ausrüstungsgegenstände gehören, die eine längerfristige Einsatzfähigkeit unterstützen.

Betrachtet man die drei Linien gemeinsam, fällt auf, dass sie weniger einzelne Ausrüstungsgegenstände als vielmehr unterschiedliche Ebenen der Einsatzfähigkeit beschreiben. Während Line 1 das unmittelbare Überleben und die Handlungsfähigkeit der einzelnen Einsatzkraft sicherstellt, erweitert Line 2 diese Fähigkeit um eine kurzfristige Eigenversorgung. Line 3 ergänzt schließlich diejenigen Ausrüstungsgegenstände, die erforderlich sind, um auch bei länger andauernden Einsätzen leistungsfähig zu bleiben. Genau diese funktionale Denkweise findet sich – wenn auch unter anderen Begrifflichkeiten – auch in den Konzepten der zivilen Krisenvorsorge sowie der Prepper- und Bushcraft-Szene wieder.

 

2.3 EDC, BOB und INCH-Bag – Konzepte der zivilen Krisenvorsorge

Anders als das militärisch klar strukturierte Liniensystem handelt es sich bei den nachfolgend beschriebenen Konzepten um informelle Ansätze, die vor allem in der zivilen Krisenvorsorge, der Prepper-Szene und im Bushcrafting verbreitet sind. Entsprechend ist die empirische Literatur hierzu deutlich begrenzter als im militärischen Kontext.

Dennoch finden sich die zugrunde liegenden Gedanken auch in den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wieder – beispielsweise in Form von Notgepäck oder persönlicher Krisenvorsorge. Die nachfolgende Betrachtung soll daher weniger eine neue Packliste vermitteln als vielmehr eine zusätzliche Perspektive darauf eröffnen, wie persönliche Ausrüstung organisiert und strukturiert werden kann.

 

2.3.1 Everyday Carry (EDC)

Das Everyday Carry (EDC) umfasst die persönliche Grundausstattung, die unabhängig von einer konkreten Lage oder – im Kontext der BOS – unabhängig von einer Alarmierung täglich an der Person mitgeführt wird.

Zum alltäglichen EDC gehören beispielsweise Hausschlüssel, Mobiltelefon, Portemonnaie, Ausweisdokumente, Krankenversichertenkarte, Bankkarte, Bargeld oder gegebenenfalls eine Powerbank.

Im Bereich Prepping und Bushcrafting wird diese Grundausstattung häufig um weitere kleine Ausrüstungsgegenstände wie Taschenlampe, Multitool, ein kompaktes Erste-Hilfe-Set oder ein kleines Nähset ergänzt. Ziel ist es, auch bei kleineren unerwarteten Ereignissen flexibel und handlungsfähig zu bleiben – unabhängig davon, ob diese im Alltag oder im Rahmen einer Krisensituation auftreten.

Welche Gegenstände tatsächlich zum persönlichen EDC gehören, hängt von zahlreichen individuellen Faktoren ab. Gerade für Einsatzkräfte erscheint diese Denkweise jedoch gut übertragbar, da insbesondere ehrenamtliche Einsatzkräfte den überwiegenden Teil ihres Alltags außerhalb der BOS-Strukturen verbringen und ihre persönliche Grundausstattung bereits vor einer Alarmierung verfügbar sein muss.

 

2.3.2 Bug Out Bag (BOB)

Der Bug Out Bag (BOB) beschreibt einen vorbereiteten Notfallrucksack mit dem Schwerpunkt auf einer zeitlich begrenzten Eigenversorgung. Inhaltlich entspricht dieses Konzept am ehesten dem vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfohlenen Notgepäck (BBK, 2025, S. 26).

Der eigentliche Fluchtgedanke des Bug Out Bag lässt sich zwar nicht unmittelbar auf Einsatzkräfte übertragen, da diese sich nach einer Alarmierung in der Regel auf eine Schadenslage zubewegen, anstatt sie zu verlassen. Dennoch lassen sich aus dem Konzept wertvolle Anregungen für einen vorbereiteten Einsatzrucksack ableiten, der Einsatzkräfte über einen Zeitraum von bis zu etwa 72 Stunden dabei unterstützt, handlungsfähig zu bleiben. Insbesondere bei anwachsenden Lagen oder unvorhergesehen langen Einsatzdauern kann eine vorbereitete persönliche Ausrüstung sowohl die körperliche als auch die psychische Belastbarkeit positiv beeinflussen.

Auch für Angehörige von Einsatzkräften besitzt das BOB-Konzept einen gewissen Mehrwert. Eine vorbereitete häusliche Krisenvorsorge kann dazu beitragen, Sorgen um das unmittelbare familiäre Umfeld zu reduzieren und dadurch indirekt auch die psychische Resilienz der eingesetzten Kräfte zu stärken.

 

2.3.3 I’m Never Coming Home (INCH-Bag)

Im Mittelpunkt des INCH-Bag-Konzepts steht die langfristige Vorbereitung auf außergewöhnliche Krisenszenarien, bei denen eine Rückkehr an den ursprünglichen Wohnort ungewiss oder dauerhaft ausgeschlossen erscheint.

Im Gegensatz zum Bug Out Bag existiert hierfür in der staatlichen Krisenvorsorge kein unmittelbares Pendant. Entsprechend liegt der Schwerpunkt weniger auf einer kurzfristigen Eigenversorgung als vielmehr auf der Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum möglichst unabhängig agieren zu können. Häufig gehören hierzu Werkzeuge, Reparaturmaterialien, umfangreichere Möglichkeiten der Wasseraufbereitung oder weitere Ausrüstungsgegenstände, die eine langfristige Autarkie unterstützen sollen.

Für zivile Einsatzkräfte erscheint dieses Konzept jedoch nur eingeschränkt übertragbar. Für den BOS-Bereich bietet das zuvor beschriebene Prinzip der Line 3 in der Regel den praxisnäheren Bezugsrahmen.

Auffällig ist, dass sich aus der theoretischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Packsystemen keine universell gültige Packliste für Einsatzkräfte ableiten lässt. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Organisation, Fachgruppe, Funktion und Einsatzauftrag teilweise erheblich. Hinzu kommen klimatische, geografische oder infrastrukturelle Besonderheiten, die den konkreten Ausrüstungsbedarf zusätzlich beeinflussen können.

Packlisten aus dem Internet sollten daher niemals unreflektiert übernommen, sondern stets kritisch auf ihre Übertragbarkeit in die eigene Einsatzrealität überprüft werden. Ein universelles Packkonzept für „den Katastrophenschutz“ kann es nicht geben, da es keinen universellen Einsatzauftrag und nicht „den Katastrophenschutz“ gibt.

Vielleicht liegt genau hierin die wichtigste Erkenntnis aller vorgestellten Konzepte: Nicht die konkrete Packliste entscheidet über die Einsatzfähigkeit, sondern das zugrunde liegende System. Ob medizinischer Notfallrucksack, militärisches Liniensystem oder zivile Krisenvorsorge – alle verfolgen letztlich dasselbe Ziel: Die richtige Ausrüstung muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sein. Welche Ausrüstung dies im Einzelfall ist, entscheidet jedoch immer der konkrete Auftrag.

Teil drei dieser Artikelserie wird sich einer funktionsbasierten Packlogik für Einsatzkräfte annähern und dabei versuchen, unterschiedliche Szenarien und Einsatzparameter zu berücksichtigen.

 

Quellen:

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. (2025). Vorsorgen für Krisen und Katastrophen (Version 44). Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Mediathek/Publikationen/Buergerinformationen/Ratgeber/BBK-Vorsorgen-fuer-Krisen-und-Katastrophen.pdf

Department of the Air Force (2005). Air Force Instruction (AFI) 16-1202: Survival, evasion, resistance and escape (SERE) program. US Department of the Air Force. https://webapp1.dlib.indiana.edu/virtual_disc_library/index.cgi/821003/FID3696/pubs/af/16/afi16-1202/afi16-1202-pdf

Dombrowski, C. (2024.) In Gefahr – Sicher Reisen durch Krisengebiete. Spartanat Black Book.

Haas, M., Hering, A., Scarampi, C. et al. Why do we forget?—A mixed-method investigation of reasons for everyday prospective memory failures. Cogn. Research (2026). https://doi.org/10.1186/s41235-026-00737-7

Stewart, C. (2012). Build the perfect bug out bag: Your 72-hour disaster survival kit. Betterway Home

Weisswange, J.-P. (2026, 19. Januar). Schichtsystem: „Lines of Gear“ der persönlichen Ausstattung. Soldat & Technik. https://soldat-und-technik.de/2026/01/sut-plus/46975/schichtsystem-of-gear

 

 

 

Wie Vodafone und das BayZBE durch ihre Partnerschaft voneinander profitieren

Vodafone und das BayZBE diskutieren die Zukunft von Healthcare, Krisenkommunikation und digitaler Resilienz

Was wäre, wenn Einsatzkräfte in Extremsituationen in Echtzeit unterstützt würden? Wenn Daten, Kommunikation und künstliche Intelligenz helfen könnten, schneller die richtigen Entscheidungen zu treffen? Und welche Rolle können Mobilfunknetze künftig dabei spielen?

Diesen Fragen widmete sich die dritte Future Hour von Vodafone, zu der wir als Bayerisches Zentrum für besondere Einsatzlagen (BayZBE) eingeladen waren. Live aus dem Vodafone Tech Innovation Center Dresden diskutierte Wilko Beinlich, Abteilungsleiter Kompetenz & Innovation mit Thomas Petzold Global Healthcare Solution Manager, über die Zukunft von Healthcare, Katastrophenschutz und digitaler Resilienz.

Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie eng technologische Innovationen und operative Einsatzrealität inzwischen miteinander verbunden sind. Gerade in Bereichen wie Bevölkerungsschutz, Gesundheitsversorgung und Krisenmanagement braucht es den Austausch zwischen Praktikern und Technologiepartnern, um Lösungen zu entwickeln, die im Ernstfall echten Mehrwert schaffen.

 

Wenn jede Sekunde zählt

Ob Naturkatastrophe, Großschadenslage oder andere außergewöhnliche Ereignisse: In kritischen Situationen müssen viele Organisationen gleichzeitig agieren. Rettungsdienste, Feuerwehren, Polizei, Kliniken und Krisenstäbe benötigen dafür vor allem eines: verlässliche Informationen und eine funktionierende Kommunikation.

Genau hier setzt die Arbeit des BayZBE an. In realitätsnahen Trainings und Übungen bereiten wir Einsatzkräfte auf komplexe und dynamische Lagen vor. Dabei wird immer wieder deutlich, wie entscheidend aktuelle Lageinformationen, schnelle Kommunikation und verlässliche technische Unterstützung für den Einsatzerfolg sind.

„Technik muss Menschen befähigen, damit sie handlungsfähig bleiben. Am Ende brauche ich einen Menschen, der das Ganze lebt. Und dieser Mensch muss unterstützt werden.“
Wilko Beinlich, Abteilungsleiter Kompetenz & Innovation, BayZBE

 

Technologie als Teil der Rettungskette

Ein spannender Teil der Diskussion beschäftigte sich mit den Möglichkeiten zukünftiger Mobilfunk- und Kommunikationstechnologien. Im Rahmen der Diskussion wurden Potenziale zukünftiger Mobilfunkgenerationen, künstlicher Intelligenz und resilienter Kommunikationslösungen beleuchtet.

Im Austausch wurden unter anderem Themen wie sichere Dateninfrastrukturen, Interoperabilität, digitale Versorgungsketten und künstliche Intelligenz diskutiert.
Für uns als BayZBE sind diese Entwicklungen besonders relevant, da sie unmittelbar an reale Anforderungen aus Einsatzlagen anknüpfen. Der Austausch mit Innovationspartnern wie Vodafone hilft dabei, technologische Möglichkeiten frühzeitig zu bewerten und gemeinsam weiterzudenken.

 

Healthcare und Resilienz gemeinsam gestalten

Ein weiterer Schwerpunkt der Future Hour war die Zukunft des Gesundheitswesens. Digitalisierung, Fachkräftemangel, steigende Sicherheitsanforderungen und die zunehmende Vernetzung stellen Kliniken, Einsatzorganisationen und Gesundheitsdienstleister gleichermaßen vor neue Herausforderungen.

Die Diskussion machte deutlich, welche Rolle Kooperationen zwischen Unternehmen, Wissenschaft, Gesundheitswesen und öffentlicher Hand bei der Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen spielen können. Themen wie sichere Dateninfrastrukturen, Interoperabilität, digitale Versorgungsketten sowie künstliche Intelligenz spielen dabei eine zentrale Rolle.

 

Innovation entsteht im Dialog

Ein zentrales Fazit der Veranstaltung: Innovation entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Einsatzkräfte bringen praktische Erfahrungen aus realen Lagen ein, Technologiepartner ihr Know-how zu digitalen Lösungen und neuen Technologien.

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen dem BayZBE und Vodafone zeigt, welchen Wert solche Partnerschaften haben können. Gemeinsam lassen sich Herausforderungen aus der Praxis analysieren, neue Ideen entwickeln und mögliche Lösungsansätze frühzeitig testen.

„Wir müssen aus unserem Silodenken raus. Im Katastrophenschutz, im Gesundheitswesen und in unserer Gesellschaft funktionieren wir besser, wenn wir zusammenarbeiten.“
Wilko Beinlich, Abteilungsleiter Kompetenz & Innovation, BayZBE

 

Der Mensch bleibt im Mittelpunkt

Bei allen technologischen Möglichkeiten wurde während der Diskussion eines besonders deutlich: Technologie allein löst keine Krisen. Entscheidend sind die Menschen, die Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und anderen helfen.

Deshalb sind Ausbildung, Training, Zusammenarbeit und gesellschaftliches Engagement weiterhin die Grundlage für erfolgreiche Krisenbewältigung. Digitale Lösungen können dabei unterstützen, ersetzen aber niemals die Menschen, die im Ernstfall handeln.

Die Future Hour bei Vodafone hat gezeigt, wie wichtig der offene Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft und Technologieunternehmen ist. Nur gemeinsam können wir die Potenziale neuer Technologien sinnvoll nutzen und die Resilienz unserer Gesellschaft nachhaltig stärken.

 

Vielen lieben Dank an Vodafone für die Einladung zur Future Hour!
Das gesamte Video gibt es auf unseren Youtube Kanal.

Projektabschluss „K3VR“ in Berlin

Nach drei Jahren intensivem Austausch, Entwicklung und testen endete am 29. Juni in Berlin mit der Abschlussveranstaltung nun offiziell das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) https://www.bmftr.bund.de/DE/Home/home_node.html geförderte Projekt „Konflikte und Krisen durch Kommunikation deeskalieren – #K3VR“ unter der Konsortialleitung der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften.

Mit K3VR wurde eine KI-gestützte VR-Welt geschaffen, in der polizeiliche Kräfte ihre Deeskalationsfähigkeiten testen, optimieren und nachhaltig trainieren können.

Was macht es so besonders? Neben der sprachlichen Auswertung von Tonlage, Stimme und Wortwahl wird auch Gestik, Mimik und Körperhaltung (wie werden beispielsweise die Hände positioniert) sowie auch kaum direkt beeinflussbare, oft unterbewusste Aspekte (wie beispielsweise dem individuellen Nervositätsniveau, das Eindringen in den persönlichen Raum, Stereotype und Bias) mit betrachtet.

Es war erstaunlich zu sehen, wie schnell eigentlich geregelte Situationen eskalieren können und wie die Kommunikationsfähigkeiten der Einsatzkräfte maßgeblich zu einer Eskalation oder eben Deeskalation beitragen können.

In den vergangenen Jahren durften wir als assoziierter Partner vor allem unsere Simulationsexpertise einbringen und so bei der Szenariogestaltung, -auswertung und Trainerfeedback einen Beitrag leisten.

Ein großes Dankeschön an alle Projektpartner, insbesondere der Akkon Hochschule für Humanwissenschaft, dem Fraunhofer Heinrich Hertz Institute HHI und der Aspekteins GmbH , sowie den assoziierten Partnern der Berliner und der Bayerischen Polizei für die vergangenen Jahre der gemeinsamen Zusammenarbeit, den offenen Austausch sowie die vielen wertvollen Impulse.

Ein für uns besonderes Highlight war der Rahmen der Abschlussveranstaltung. Denn am Forum Digitale Technologien in Berlin kamen nochmals alle beteiligten Personen und Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen. Und so durften wir nicht nur die Podiumsdiskussion leiten, sondern auch live die Demonstratoren testen sowie vor allem nochmals alle Projektbeteiligten persönlich zum erfolgreichen Projektabschluss gratulieren.

Unter folgendem Link könnt ihr euch weiter über K3VR informieren: www.k3vr.de

Ein Projekt geht zu Ende — die Relevanz des Themas bleibt. Wir werden auch in Zukunft die gewonnenen Erkenntnisse in unsere Lehrgänge einfließen lassen!

Packen für längerfristige Einsätze

Eine Frage der Resilienz: Packen für längerfristige Einsätze

Resilienz, Vorbereitung und persönliche Durchhaltefähigkeit im Zivilschutz

Wird über Zivilschutz und Großschadenslagen gesprochen, entsteht vor dem inneren Auge schnell ein Bild, das Blaulicht, Sandsäcke, Feldbetten und Chaosphasen beinhaltet. Weniger sichtbar, aber mindestens genauso entscheidend ist die Dimension der Vorbereitung der Einsatzkräfte. Neben grundständig psychischer und körperlicher Belastbarkeit der eingesetzten Helfer zeichnen sich angesichts veränderter Bedingungen in längerfristigen Einsätzen neue Denkkategorien ab: Welche Ausrüstung brauchen Einsatzkräfte bei sich, um Einsatzszenarien nicht nur einige Stunden lang, sondern möglicherweise über Tage oder sogar Wochen gewachsen zu sein?

Gerade bei Einsatzkräften im Rettungsdienst und Feuerwehren umfasst die Dauer eines Einsatzes oft ein überschaubares Zeitfenster in einer einstelligen Stundenanzahl. Wächst ein Einsatz an, können Versorgungseinheiten wie die SEG-V des Katastrophenschutzes, die Log-V des Technischen Hilfswerks oder eine Feuerwehr-VPE mit- oder nachalarmiert werden. Einsatzkräfte, die keine besonderen Anforderungen an ihre eigene medizinische Versorgung oder Ernährung haben, können ohne viel Vorbereitung in den Einsatz gehen.
Wer auf dauerhafte Medikation angewiesen ist oder Allergien und Unverträglichkeiten hat, kann sich gezielt vorbereiten. Schichtablösungen und Übergaben ermöglichen es, nach Hause zu gehen, sich auszuruhen und wieder frisch in den Einsatz zu gehen.

Dies funktioniert für gewöhnliche Einsatzlagen gut und man ist für viele anwachsende Einsatzszenarien vorbereitet und wird trainiert – doch andauernde Einsatzlagen, die erschwerende Variablen wie überregionale Verwendung, (feldmäßige) Unterbringung über Tage oder schlichtweg gestörte infrastrukturelle Bedingungen beinhalten, erfordern die durchdachte Vorbereitung der einzelnen Einsatzkraft. Entscheidend wird die Fähigkeit, über Stunden oder Tage hinweg flexibel, belastbar und funktionsfähig zu bleiben und individuell notwendige Ausrüstung mitzuführen, die eine möglichst hohe Motivationslage und wenig empfundenen Mangel (an Ressourcen, sozialer Interaktion mit den Angehörigen, Material, Nahrung, etc.) sicherstellen.

In Großschadenslagen, längerfristigen Einsätzen und Zivilschutzlagen wird die eigene Ausrüstung zum Resilienzfaktor.

 

Was ist Resilienz und wie wirkt sich die eigene Ausrüstung darauf aus?

Die Psychologinnen und Psychologen Luthar, Cicchetti und Becker definieren Resilienz als einen „dynamischen Prozess positiver Anpassung innerhalb eines Kontextes signifikanter Belastung“ (Luthar et al., 2000).

Resilienz als seelische Fähigkeit zu beschreiben ist für Einsatzkräfte insbesondere dann unzureichend, wenn ihr Training die Vorbereitung von Naturkatastrophen, Zivilschutzszenarien und überregionale Tätigkeit mit verlängerter Einsatzdauer umfasst. Grundsätzlich gilt: Resilienz ist keine feste Persönlichkeitseigenschaft und kein angeborenes Talent. Sie umfasst nicht nur das Erleben einer Belastungssituation, sondern auch die Erholung hiervon. Übersteigt eine Situation die Fähigkeit der Einsatzkraft, diese zu bewältigen, spricht man von einer Krise. Für viele Einsatzkräfte wird es Teil ihrer Tätigkeit, in die Krisen anderer Menschen einbezogen zu sein und diese (je nach Dislozierung und Tätigkeit) abzuarbeiten.
Resilienz, insbesondere um erlebte Belastungen von kategorisch schwierigen Settings langfristig gut einsortieren zu können, wird in diesen Fällen zum A und O der langfristigen Einsatzfähigkeit.

 

Resilienz setzt sich aus unterschiedlichen Faktoren zusammen:

-persönlichen Ressourcen (z. B. Copingstrategien, Selbstwert, Erfahrung),

-sozialen Ressourcen (z. B. Kameradschaft, Familie, Unterstützung),

-strukturellen Bedingungen (z. B. Ausrüstung, Schlafmöglichkeiten, Versorgung).

 

Für Einsatzkräfte bedeutet das: Resilienz entsteht nicht nur „im Kopf“ und kann auch nicht im Rahmen einer kurzfristig gebildeten Awareness-Maßnahme erreicht werden.
Resiliente Einsatzkräfte sind auf gute Vorbereitung aller Beteiligten und vor allem von sich selbst angewiesen. Die Rolle der Führungspersonen ist dabei nicht zu unterschätzen, denn Führungspersonen strukturieren Aufgaben, delegieren, sind Ansprechpartner und geben den Weg durch die Einsätze vor. Damit bedingen ihre Entscheidungen maßgeblich die Realität der Einsatzkräfte.

Zu guter Vorbereitung gehören unter anderem gründliche Ausbildung, aktiv gelebte Psychohygiene und eigenverantwortliche Pflege eines Lebensstils, der eine stabile und flexible Psyche begünstigt. Weiter gedacht gehört dazu auch die Inbezugnahme der Angehörigen als soziale Ressource für die Einsatzkraft. Dies wird umso wichtiger, wenn sich abzeichnet, dass die eigene Verwendung in einer Hilfsorganisation perspektivisch den Einsatz unter strukturell erschwerten, unklaren und dynamischen Bedingungen wie Zivilschutz-Szenarien, hybriden Bedrohungen, lebensbedrohlichen Einsatzlagen, etc. umfasst.

 

Vorbereitung als Schutzfaktor

Ein zentraler Gedanke der Resilienzforschung lautet: Stress verschwindet nicht einfach – er wird abgebaut (Hurrelmann, 2020). Damit dieser Abbau möglich ist und damit Einsatzkräfte im Sinne der Salutogenese in ihren Ruhephasen nachhaltig Stress abbauen können, braucht das menschliche Nervensystem grundsätzlich erfüllte Grundbedürfnisse. Dazu gehören Voraussetzungen, wie:

-Schlaf

-Ernährung

-Flüssigkeitszufuhr

-Hygiene

-Möglichst resonante soziale Verbindung

-Rückzugsmöglichkeiten

-klare Routinen

-existenzielle Absicherung

Genau hier schlägt sich der Bogen zur praktischen Einsatzvorbereitung.

 

Wer bei einem längerfristigen Einsatz mit schwierigen Witterungsbedingungen keine Wechselkleidung mitführt, notwendige Medikamente vergessen hat oder über keine Möglichkeit verfügt, das Mobiltelefon zu laden und sich deshalb um die Familie sorgt, verliert schneller an Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. So kann ein psychologischer Belastungsfaktor entstehen, der nicht nur Fehler begünstig, sondern sich zum Risikofaktor wandeln kann, wenn das kurzfristige Adrenalin absackt und das Abrücken von der Einsatzstelle noch lange nicht in Sicht ist.

Vorbereitung ist deshalb weit mehr als reine Logistik: sie ist ein aktiver Beitrag zur eigenen Resilienz und zur Resilienz des ganzen Teams, das sich auf die Durchhaltefähigkeit seiner Teammitglieder verlassen muss.

 

Packen als angewandte Resilienz

Auf den ersten Blick wirkt das Thema Packen wie eine überwiegend technische Frage. Strukturelle Bedingungen im Einsatz stärken oder schwächen die Resilienz der Einsatzkräfte, je länger ein Einsatz andauert. In unkontrollierbaren und wechselnden Einsatzanforderungen kann das Vorhalten eigener notwendiger Ausrüstung zum zusätzlichen Sicherheitsfaktor werden.

Wer die eigene Ausrüstung systematisch vorbereitet, reduziert:

-Unsicherheit

-Suchaufwand

-Abhängigkeit von infrastrukturellen Gegebenheiten oder anderen Helfern

-Kontrollverlust

 

Gleichzeitig erhöht sich das subjektive Sicherheitsgefühl und die momentan empfundene Autarkie. Das Gehirn erhält die Botschaft:

„Ich habe mich aktiv vorbereitet. Ich habe, was ich brauche und ich komme klar, selbst wenn gar nichts mehr funktioniert.“

Diese Wahrnehmung stärkt die eigene Selbstwirksamkeit – das Gefühl, eine Situation gut bewältigen zu können. Dies ist einer der wichtigsten Schutzfaktoren psychischer Resilienz. Modulares Packen ist damit keine Frage von Outdoor-Romantik oder Prepper-Kultur, sondern ein konkretes Werkzeug, um Belastbarkeit und Einsatzfähigkeit zu möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Teil Zwei dieser Blogartikel-Serie setzt sich mit Packsystemen und -logiken auseinander, die beispielsweise bei den Streitkräften, Auslandseinheiten der Hilfsorganisationen und im Bereich Prepping und Bush Crafting Gang und Gebe sind.

Teil Drei widmet sich der Konzeption eines modularen Packsystems für Einsatzkräfte, das nachvollziehbar anpassbar bleibt und sich leicht umsetzen und fortführen lässt – je nach eigenen Voraussetzungen und Verwendungen im Zivil- und Katastrophenschutz.

 

Quellen

-Luthar, S. S., Cicchetti, D., & Becker, B. (2000). The construct of resilience: A critical evaluation and guidelines for future work. Child Development, 71(3), 543–562.

-Hurrelmann, K. (2020). Gesundheitssoziologie: Eine Einführung in sozialwissenschaftliche Theorien von Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung (9. Aufl.). Beltz Juventa.

-Rutter, M. (2012). Resilience as a dynamic concept. Development and Psychopathology, 24(2), 335–344.

Zivilschutz – Kompakt

Zivilschutz geht uns alle an – und Einsatzkräfte ganz besonders

Zivilschutz klingt für viele noch immer nach einem Thema aus einer anderen, vergangen Zeit oder als Thema nur mit Relevanz in anderen Ländern. Nach etwas, das weit weg ist vom eigenen Alltag, irgendwo zwischen Bundesebene, Bunkern und abstrakten Sicherheitsdebatten. Für Einsatzkräfte ist das allerdings eine trügerische Sicht. Denn die eigentliche Frage lautet heute nicht, ob der Alltag morgen plötzlich komplett verschwindet. Die wichtigere Frage ist, was passiert, wenn der Alltag äußerlich noch weiterläuft, die Rahmenbedingungen dahinter aber instabil werden: wenn Kommunikation hakt, Informationen widersprüchlich sind, Versorgung stockt oder eine Lage nicht nur intensiv, sondern lang andauernd ist. Genau dort beginnt Zivilschutz. Rechtlich ist er als nichtmilitärischer Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall definiert; gemeinsam mit dem Katastrophenschutz der Länder bildet er den Bevölkerungsschutz in Deutschland. Und damit geht es über den Verteidigungsfall hinaus, greift beim Bündniss- und Spannungsfall, und sollte bereits zu „Friedenszeiten“ gelebt, geübt und ausgebaut werden.


Infokasten 1: Was sind disruptive/ hybride Bedrohungen?

Disruptive oder hybride Bedrohungen sind abgestimmte Angriffe oder Einflussnahmen, die oft unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs bleiben. Dazu zählen etwa Cyberangriffe, Spionage, Sabotage, Abhörmaßnahmen und Desinformationskampagnen. Ziel ist nicht nur unmittelbarer Schaden, sondern auch Verunsicherung, Destabilisierung und das gezielte Austesten von Schwachstellen in Staat, Gesellschaft und kritischer Infrastruktur. Für Einsatzkräfte bedeutet das: Die Lage kippt oft nicht schlagartig, sondern schleichend — durch schlechtere Kommunikation, gestörte Logistik, unsichere Informationen oder erhöhte Belastung im Alltag.

Ein reales Beispiel dafür ist die Beschädigung eines Unterseekabels zwischen Finnland und Deutschland in der Ostsee am 18. November 2024. Deutschland und Finnland erklärten dazu gemeinsam, der Vorfall werfe unmittelbar den Verdacht absichtlicher Beschädigung auf und sei Ausdruck der Volatilität einer Zeit, in der auch hybride Bedrohungen gegen Europas kritische Infrastruktur zunehmen. Wie konkret solche Bedrohungen werden können, zeigte auch ein Vorfall im Juli 2024: Im Luftfrachtzentrum Leipzig fing ein Paket kurz vor der Verladung Feuer. Europäische Ermittler ordnen die Serie solcher Sendungen einer mutmaßlich von russischer Seite gesteuerten Sabotageoperation zu. Laut BKA wurden 2025 mehr als 320 mutmaßliche Sabotagefälle innerhalb Deutschlands gezählt.


Für Einsatzkräfte in Hilfsorganisationen, Rettungsdienst und BOS ist das kein Randthema. Denn auch wenn die konkreten Einsätze zunächst vertraut aussehen mögen, verändern sich in angespannten Lagen oft die Grundlagen, auf denen Hilfe überhaupt funktioniert: Erreichbarkeit, Nachforderung, Logistik, Personalverfügbarkeit, Kraftstoff, Material, belastbare Lagebilder. Das ist der Punkt, an dem aus Routine plötzlich eine Frage der Durchhaltefähigkeit wird. Die Konzeption Zivile Verteidigung (KZV, 24.08.2016 vom BMI veröffentlicht) ordnet diese gesamtstaatliche Vorsorge genau in diesem Sinn ein: Es geht darum, staatliche Handlungsfähigkeit zu sichern, die Bevölkerung zu schützen, Versorgung aufrechtzuerhalten und Unterstützung im Gesamtsystem zu organisieren.

Gerade deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf den Begriff Bevölkerungsschutz. In Deutschland ist er bewusst als Zusammenspiel angelegt: Der Bund verantwortet den Zivilschutz, Länder und Kommunen den Katastrophenschutz. In der Praxis heißt das aber nicht Trennung, sondern Verzahnung. Feuerwehren, Hilfsorganisationen, THW, Gesundheitswesen, Leitstellen, Kommunen und viele weitere Akteure greifen ineinander. Das BBK beschreibt den Bevölkerungsschutz genau als dieses Zusammenwirken der Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen. Für Einsatzkräfte ist das wichtig, weil damit klar wird: Zivilschutz ist nicht nur eine Frage von Zuständigkeiten, sondern auch von Schnittstellen, Abhängigkeiten und gemeinsamer Handlungsfähigkeit.


Infokasten 2: Wofür wären Hilfsorganisationen konkret gebunden?

In einem Bündnis- oder Verteidigungsfall wären Hilfsorganisationen nicht nur zusätzlich belastet, sondern in mehreren Aufgabenlinien gleichzeitig gebunden: im laufenden Rettungsdienst, bei Transporten und Verlegungen, in Betreuung und Versorgung der Bevölkerung, in der Unterstützung des Gesundheitssystems und auch in der Unterstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Herausfordernd ist, dass zivile Kliniken in solchen Lagen neben möglichen Zivilverletzten auch eine große Zahl verwundeter Soldatinnen und Soldaten versorgen müssten, da das Personal der Bundeswehr Krankenhäuser an anderer Stelle gebunden sein wird. Zusätzlich kommt die Unterstützung an sogenannten Verletzten-Hubs hinzu, auf Grund der erwarteten Verteilung als Drehscheibe im Rückwärtigen Raum. Gleichzeitig nennt das DRK die Hilfe für Opfer bewaffneter Konflikte als Verbandsaufgabe; für Johanniter und Malteser ist die Unterstützung des Sanitätsdienstes der Bundeswehr gesetzlich ausdrücklich benannt. Daneben kommt es möglicherweise auch zu umfangreichen Fluchtbewegungen, bei denen die Schutzsuchenden temporär oder langfristig versorgt werden müssten.


Was das Thema so relevant macht, ist dabei nicht Alarmismus, sondern Nüchternheit. Vorbereitung beginnt nicht erst dann, wenn eine Lage längst eskaliert ist. Sie beginnt vorher – in Organisationen, die Risiken bewerten, Schwachstellen erkennen und Strukturen anpassen. Und sie beginnt bei jeder einzelnen Einsatzkraft. Denn Einsatzfähigkeit ist nie nur eine Frage von Ausbildung und Motivation. Sie hängt auch daran, ob zuhause Grundlegendes geregelt ist: Kommunikation, Betreuung, Medikamente, Dokumente, Absprachen, ein Mindestmaß an Versorgung. Wo dieses „Backoffice“ fehlt, sinkt nicht zuerst die Hilfsbereitschaft, sondern die Durchhaltefähigkeit. Das ist menschlich – und genau deshalb muss es mitgedacht werden.


Infokasten 3: Das Phasenmodell – eine Orientierungshilfe

Für eine zeitliche Einordnung wird ein Vier-Phasenmodell verwendet. Es beschreibt den Übergang vom normalen Friedensbetrieb über zunehmende hybride Störungen und sichtbare Zuspitzung bis hin zum Bündnis- oder Verteidigungsfall. Der Nutzen liegt vor allem darin, Entwicklungen nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn bereits akute Kriegseinwirkungen auftreten. Für Organisationen und Einsatzkräfte ist das wichtig, weil in frühen Phasen noch vergleichsweise geordnet vorbereitet werden kann — später dominiert deutlich stärker das Reagieren unter Druck. Die Logik dahinter entspricht der zivilen Verteidigung: Vorsorge, Schutz der Bevölkerung, Aufrechterhaltung staatlicher Handlungsfähigkeit und Sicherung der Versorgung


An dieser Stelle wird Zivilschutz sehr konkret. Das BBK empfiehlt Bürgerinnen und Bürgern, sich mit Vorsorge, Warnung und Verhalten in Krisenlagen auseinanderzusetzen. Der aktuelle Ratgeber bündelt dafür alltagstaugliche Empfehlungen, etwa zu Vorräten, Information, Radio als Ausweichkommunikation, Warn-App, Dokumentensicherung und individuellen Checklisten. Ziel ist nicht, Menschen sich selbst zu überlassen, sondern sie so vorzubereiten, dass sie in einer angespannten Lage nicht bei jeder Unsicherheit sofort auf professionelle Hilfe angewiesen sind. Das entlastet das System insgesamt – und genau davon profitieren am Ende auch Einsatzkräfte.

Damit hängt ein weiterer Begriff eng zusammen: Resilienz. Gemeint ist nicht bloß Härte oder „einfach funktionieren“. Resilienz bedeutet im Bevölkerungsschutz, dass Menschen, Organisationen und Systeme Belastungen aufnehmen, sich anpassen und sich von Störungen erholen können. Die nationale Resilienzstrategie (13.07.2022 vom BMI veröffentlicht, als Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen) beschreibt das ausdrücklich als gemeinsame Aufgabe von Staat, Kommunen, Wirtschaft und Bevölkerung. Für Einsatzkräfte heißt das übersetzt: Resilienz ist nicht nur Material, Fahrzeug und Funk. Resilienz ist auch Informationskompetenz, realistische Vorbereitung, klare Absprachen, mentale Stabilität und die Fähigkeit, auch unter veränderten Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

Hybride Bedrohungen zielen nicht nur auf Infrastruktur, sondern auch auf Wahrnehmung und Vertrauen: Der Verfassungsschutzbericht 2024 beschreibt etwa eine prorussische Einflussoperation vor der Europawahl 2024 sowie weitere Versuche, die politische Meinungsbildung in Deutschland zu beeinflussen. Auch Cyberangriffe gehören längst zu diesem Bedrohungsbild: Im Mai 2024 ordnete die Bundesregierung eine Cyberkampagne gegen die SPD sowie gegen Unternehmen aus der Rüstungs- und Luftfahrtbranche dem russischen Akteur APT28 zu.

Genau hier setzt das Sonderforum an. Es will nicht mit Schlagworten arbeiten, sondern Orientierung geben. Was ist Zivilschutz eigentlich genau? Wo verläuft die Linie zum Katastrophenschutz – und wo greifen beide ineinander? Welche Rolle haben Staat, Organisationen und Bevölkerung in einer sich verändernden Sicherheitslage? Und was bedeutet das alles ganz praktisch für Einsatzkräfte, die nicht nur Teil einer Hilfsorganisation sind, sondern gleichzeitig auch Teil der Bevölkerung, der Nachbarschaft und einer Familie?


Infokasten 4: Wie könnte ein mögliches Belastungsbild aussehen?

Ein erstes, mögliches Kriegs- oder Eskalationsbild für Deutschland wäre wahrscheinlich keine einzelne Großschadenslage, sondern eher eine Dauerlage: mit wiederholten Störungen, unterbrochenen Lieferketten, punktuellen Angriffen, Ausfällen von IT und Kommunikation sowie anhaltendem Druck auf Gesundheitswesen und Bevölkerung. Hinzu kämen Luftbedrohungen wie Drohnen, erhöhte Anforderungen an Warnung und Schutz sowie eine starke Belastung von Kliniken und Rettungsdienst. Aus den eskalativen hybriden Bedrohungen würden je nach Ereignisfall, wie ein Bündnisfall im Baltikum oder sogar der Landesverteidigungsfall, viele weitere Kaskaden entstehen. Die zivile Verteidigung ist genau auf solche langanhaltenden Belastungen ausgerichtet: staatliche Handlungsfähigkeit erhalten, Versorgung sichern, Bevölkerung schützen und Unterstützung im Gesamtsystem organisieren. Für Einsatzkräfte heißt das vor allem: mehr Parallelbelastung, mehr Unsicherheit, mehr Priorisierungsdruck — und ein deutlich höherer Bedarf an Durchhaltefähigkeit.

Auch niedrigschwellige Cyberangriffe gehören längst zum Lagebild: Das BSI berichtet seit dem russischen Angriff auf die Ukraine wiederholt über DDoS-Kampagnen pro-russischer Gruppen gegen Ziele in Deutschland.


Wer im Einsatzdienst Verantwortung trägt, braucht nicht nur Fachwissen für den nächsten Einsatz, sondern auch ein Verständnis dafür, in welchem größeren System das eigene Handeln stattfindet. Denn Lagen, die sich über Stunden, Tage oder länger ziehen, verlangen mehr als reine Reaktionsfähigkeit. Sie verlangen Vorbereitung, Priorisierung und ein realistisches Bild davon, was tragfähig ist – organisatorisch, gesellschaftlich und persönlich.

Bis zum Sonderforum lohnt sich deshalb schon eine einfache Frage: Wie gut ist mein eigenes Umfeld darauf vorbereitet, wenn Kommunikation ausfällt, Versorgung stockt oder ich über längere Zeit gebunden bin? Oft geht es dabei nicht um spektakuläre Maßnahmen, sondern um saubere Grundlagen. Warnkanäle kennen. Zuständigkeiten klären. Wichtige Unterlagen griffbereit haben. Ein Familien- oder Kontaktkonzept durchdenken. Solche Schritte sind klein, aber sie machen im Ernstfall einen großen Unterschied. Das BBK stellt dafür bewusst einfache und praktische Checklisten bereit.

Das Sonderforum „Zivilschutz kompakt – Grundlagen, Herausforderungen, Handlungsimpulse für Einsatzkräfte“ greift genau diese Fragen auf. Es richtet sich an Einsatz- und Führungskräfte, die sich nicht mit einem vagen Gefühl von „man müsste sich mal damit beschäftigen“ zufriedengeben wollen, sondern ihr eigenes Bild schärfen möchten:

 

Was kommt auf uns zu?

Was ist heute schon relevant?

Und was kann ich konkret tun, um vorbereitet zu sein, ohne in Alarmismus zu verfallen?

 

Wann? 23.04.2026 – 19:00 Uhr

Anmeldung: https://termine.bayzbe.de/de/classes/view/524

 

 

 

Jahresreview 2025 | Zahlen, Daten, Fakten

Finde die Roten – verhindere vermeidbare Todesfälle

Basistraining Vorsichtung in Bayern 

Einsatzlagen mit einer hohen Anzahl an Personen (Exponierten) stellen Einsatzkräfte vor enorme Herausforderungen. Gerade in der Anfangsphase sehen sich die Helferinnen und Helfer immer mit einer höheren Exponiertenanzahl im Verhältnis zu zur Verfügung stehenden Einsatzmitteln und -kräften konfrontiert. Gewohnte und individualmedizinisch ausgerichtete Handlungsabläufe müssen also angepasst werden. Um in derartigen Situationen schnellstmöglich die behandlungspriorisierten Patienten zu erkennen, bedarf es eines strukturierten Sichtungsprozesses.

Hierfür stehen den nichtärztlichen Einsatzkräften in Bayern eine strukturierte und einheitliche Vorsichtungscheckliste zur Verfügung. Diese wurde 2025 überarbeitet und neu veröffentlicht. Die Anwendung der Checkliste und der beinhalteten Maßnahmen müssen regelmäßig trainiert werden.

Bist du vorbereitet und weißt was zu tun ist?

Vorsichtung ist nicht nur eine Aufgabe für Notfallsanitäter oder RTW-Besatzungen. Krankenwagenbesatzung, Bergretter oder Wasserwachtshelfer – jeden kann diese Aufgabe beim Massenanfall für Notfallpatienten treffen. Mach dich also fit in unserem Basistraining Vorsichtung in Bayern! Unter realitätsnahen Bedingungen erhalten Einsatzkräfte die Möglichkeit des Vorsichtungstrainings, auch von großen Patientenanzahlen.

Inhalte des Basistrainings Vorsichtung in Bayern

Das Training am BayZBE vermittelt praxisnahes Wissen und grundlegende Fertigkeiten, um Einsatzkräfte für diese Einsatzlagen zu sensibilisieren.
Dabei stehen folgende Themen im Fokus:
– Durchführung von Vorsichtung gemäß bayerischen Vorgaben
– Durchführung lebensrettender Sofortmaßnahmen während der Vorsichtung
– Zeitliche und einsatztaktische Planung der Vorsichtung
– Weitere gängige (Vor-)Sichtungsalgorithmen
– Sichtungskartensystemen
– Patientenkennzeichnung und -registrierung

Jede Einsatzkraft sollte teilnehmen!

 Die Durchführung von Vorsichtungsmaßnahmen muss im Einzelfall durch alle geschulten Einsatzkräfte des Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsdienstes erfolgen. Das Basistraining am BayZBE bietet realitätsnahe Möglichkeiten zum Training von Vorsichtungs- und lebensrettenden Sofortmaßnahmen.

„BayZBE 71/1 mit erster Lage…“

Basistraining Lageerkundung

Für die Bewältigung besonderer Einsatzlagen ist die frühzeitige und suffiziente Erkundung der Einsatzstelle mit anschließender korrekter Lagemeldung unverzichtbar. Potenzielle Gefahrenquellen oder eine erste Schätzung exponierter Personen haben unmittelbare Auswirkungen auf den weiteren Einsatzverlauf. Ohne eine suffiziente Lagemeldung können weder die Leitstelle noch weitere Einsatz- oder Führungskräfte auf die Situation an der Einsatzstelle reagieren. Die MAN-Richtlinie 2025 bemisst der „Lage auf Sicht“ sowie anschließenden Lageerkundung daher einen hohen Stellenwert zu.

 

Warum ist dieses Training notwendig?

Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes und Rettungsdienstes müssen täglich – beim individuellen Notfalleinsatz bis hin zur Großschadenslage – Einsatzstellen beurteilen und diese Informationen mit der Leitstelle und weiteren Kräften teilen. Gerade bei Einsatzlagen kommt dieser Lagemeldung nochmal eine besondere Bedeutung zu und muss daher regelmäßig trainiert werden.

 

Inhalte des Basistrainings Lageerkundung

Das Training am BayZBE vermittelt praxisnahes Wissen und grundlegende Fertigkeiten, um Einsatzkräfte für diese Einsatzlagen zu sensibilisieren. Dabei stehen folgende Themen im Fokus:

– Absetzen einer Lage auf Sicht als ersteintreffendes Rettungsmittel

– Lageerkundung gemäß MAN-RL 2025

– Erkundung als Teil des Führungskreislaufs gemäß DV 100

– Vier Phasen der Lageerkundung

– Gefahrenbeurteilung an der Einsatzstelle

– Absetzen einer suffizienten Lagemeldung

Das Basistraining richtet sich an Helfer aller Hilfsorganisationen mit abgeschlossener Grundausbildung. Das Basistraining am BayZBE gibt Einsatzkräften die Möglichkeit, in realitätsnahen Simulationen zu trainieren.

 

Fazit – Jede Einsatzkraft sollte teilnehmen!

Die Durchführung einer Lageerkundung und -meldung bedarf eines regelmäßigen und realistischen Trainings. Durch unser Training haben die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre vorhandenen Fähigkeiten bei der Erkundung von Schadensstellen mit modernster Simulationstechnik zu trainieren.

Jahresreview 2024 | Zahlen, Daten, Fakten

    Teilnehmerinformationen

    Die Kosten für die Unterkunft belaufen sich je nach Unterbringung zwischen 50,00 € und 80,00 €. Die Abrechnung erfolgt direkt über das Hotel.

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