BayZBE und WBU laden zum regionalen Sicherheitsinfoabend
Holistischer Ansatz einer resilienten Gesellschaft im Kontext Zivilschutz und Unternehmenssicherheit
Gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge geht über militärische Abschreckungsmaßnahmen oder der Lagebewältigung der Blaulichtorganisationen im Krisen-, Katastrophen- oder Kriegsfall hinaus – volkswirtschaftlich betrachtet steht hinter jeder funktionierenden Sicherheits- und Schutzarchitektur eine tragende Voraussetzung: Eine resiliente, leistungsfähige Wirtschaft.
Als Motivator eine prosperierende Gesellschaft zu fördern, steht dabei nicht nur der monetäre Gedanke, der Wertschöpfung fördert, Steuereinnahmen kreiert, sondern der Einsatz für unsere demokratischen Strukturen und den dabei ermöglichten Freiheiten. Daraus resultiert technologischer Fortschritt, eine Wirtschaftskraft die in die Ausstattung und Befähigung des Bevölkerungsschutzes, der Gesundheitsstrukturen und dann auch unsere Verteidigungsfähigkeit einzahlt. Dieser Rahmen muss für Unternehmen möglichst stabil, verlässlich und nicht erratisch sein, so dass in der Folge die finanziellen Mittel für einen starken Bevölkerungsschutz geschaffen werden können – und Unternehmen wiederrum dazu angeraten sind, eigenständig und gemeinsam mit Verbänden, an diesem Rahmen ein stärkendes Fundament anzubauen.
Der Gedanke von Sicherheit ist also ein eng vernetztes, von vielen Abhängigkeiten bedingtes System, welches höchst fragil und von vielen Kaskadeneffekten umgeben ist.
Das BayZBE verfolgt einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz beim Thema Zivilschutz – neben der Härtung der Zivilschutzfähigkeiten der Hilfsorganisationen, der Unterstützung von zivilmilitärischen Aktivitäten, dem Verständnis von militärischen Bedarfen, Abhängigkeiten und Strategien, gehört die Stärkung der Gesellschaft, und damit vieler weiter Einzelbausteine zu einem ganzheitlichen Ansatz: Prepardness by Desgin.
BayZBE stellt Thema Zivilschutz in den Mittelpunkt
Aus diesem Grund hat das BayZBE in den letzten Monaten verschiedenste Konferenzen begleitet, die Kontakte zum Landeskommando, zum Staatsministerium des Inneren, zur Wissenschaft und zu Unternehmensverbänden intensiviert und möchte über das BayZBE Sicherheitsnetzwerk auch die Unternehmensseite mit in den Dialog aufnehmen, um sich gegenseitig zu befähigen. Zivilschutz ist nicht zur Einsatzunterstützung, es ist auch Military Mobility, es ist auch KRITIS Vorsorge, es ist Energie und Logistik, es ist Notfallvorsorge und Selbsthilfe – von der Einsatzkraft, über den Bürger, bis hin zum Unternehmen.
Das Potential, voneinander zu lernen, voneinander Best Practise abzuschauen, gemeinsam Herausforderungen zu schultern und gemeinsam zu trainieren, bedeutet vor der Krise Köpfe kennen – zu wissen, wer in der Krise Unterstützung braucht oder wer Engpässe ausgleichen kann. Gemeinsam, holistisch, im Allgefahren Ansatz, für eine stärkere Resilienz, das ist unser Verständnis von einer funktionierenden Sicherheitsarchitektur.
Gemeinsames Sicherheitsevent als Vernetzungskatalysator
Beim WBU meets BayZBE Sicherheitsevent hat der Geschäftsführer Daniel Pröbstl den Rahmen gesetzt und wurde vom Tobias Reiß, 1. Vizepräsident des bayerischen Landtags, bestärkt. Die Keynote hielt Brigadegeneral Thomas Hambach, Kommandeur des Landekommandos Bayern.
Für die regionalen Unternehmensvertreter ist dabei der Ort bereits ein besonderer – wird im BayZBE doch Sicherheit und die Vorbereitung auf außergewöhnliche, nicht alltägliche, dynamische, hochstressige, Lagen tagtäglich geübt. Die Teilnehmenden hatten im Anschluss die Möglichkeit die Liegenschaften, in denen Terroranschläge, Amoklagen und der Massenanfall von Verletzten praxisnah dargestellt, beübt, besprochen und gebrieft werden, zu besichtigen. Aktuell fördert der Freistaat Bayern die Erweiterung auf die nächste Ausbaustufe mit einem mittleren, zweistelligen Millioneninvestment – die geplante neue Schulungs- und Trainingsfläche soll ab kommenden Jahr dann Raum für über 3.500 Lehrgangsteilnehmende im Jahr bieten.
Der Grundgedanke dabei herrscht immer „kein Stell dir vor – sondern erlebe das Szenario“ – ob physisch oder durch VR modelliert. Durch die 360° Kameraüberwachung und audiovisuelle Immersion sowie Vitalparametermessung und Auswertung ist das Einsatzerlebnis nicht nur Kulisse, sondern legt den Grundstein für eine Kompetenzbefähigung: Entscheidungen unter Zeitdruck, knappe Ressourcenlage, gestörte Informationslage, Eigengefährdung, das Besinnen auf die persönlichen Fähigkeiten, Vorbereitung und Ausbildung.
Pröbstl sieht Zivilschutz als gesamtgesellschaftlichen Auftrag für Betriebe
Daniel Pröbstl eröffnete den Sicherheitsabend mit einer Aussage, die bei den Unternehmen hängen bleiben sollte: Wir wollen keine Angst machen – aber die aktuelle geopolitische Lage, die disruptiven hybriden Angriffe seien die Realität. Unternehmen müssen ihre Zivilschutzfähigkeit überdenken, um auf Systemschwächung vorbereitet zu sein. Als gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist der Zivilschutz nicht „Sache der anderen (Stichwort Vollkasko Mentalität gegenüber den Hilfsorganisationen – im Ernstfall wird schon Hilfe kommen oder das THW ein Notstromaggregat bereitstellen), sondern der Auftrag für Betriebe und Verantwortungsträger.
Resilienz entscheidet, ob Lieferketten reißen, ob die Kommunikation zusammenbricht, ob ein Unternehmen nach einem Vorfall zeitnah wieder hochfährt – oder im Improvisationsmodus festhängt.
Tobias Reiß machte deutlich, dass hybride Bedrohungen auch politische Institutionen treffen und das Bayern hier eine klare Strategie aufzieht. So sei der Landtag in starker Regelmäßigkeit Ziel von Cyberangriffen und ähnlichen. Als Reaktion hat das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz für alle Landtagsmitarbeiter Schulungen erhöht. Zur Stärkung der Resilienz im Freistaat wurde die Projektgruppe „Koordination Zivilschutz im BayStMI etabliert und das Drohnenabwehrzentrum in fortgeschrittener Planung.
Key Take Aways „Resiliente KMU für die staatliche Sicherheitsvorsorge“
Den inhaltlichen Höhepunkt vermittelte Brigadegeneral Thomas Hambach in seinem Vortrag – mit Fokus auf Russland als größte aktuelle Bedrohung, Verweise auf hybride Methoden, die auf Spaltung, Sabotage und Subversion zielen. Ein Satz daraus brachte die Zuspitzung auf den Punkt: „Wir sind nicht unbedingt im Krieg mit Russland. Aber Russland mit uns [der NATO].“
Folgend Key-Takeaways aus Hambachs 60-minütigem Vortrag:
Die „Big 5“ der aktuellen lagebeeinflussenden Elemente sind folgende, und sollten in jeder Risiko- und Szenarienbetrachtung im Sinne eines funktionierenden BCM mitgedacht werden (nicht in Reihenfolge):
- Cyber
- Terrorismus
- Klima
- China
- Russland
Mit Fokus auf Russland, muss man deren Zielverfolgung betrachten, die als Gerassimow-Doktrin seit 2013 öffentlich vorgezeichnet wurden: Die Wiederherstellung der russischen Großmachtstellung als Machtzentrum in einer multipolaren Welt und der damit provozierten Revision der europäischen Sicherheitsordnung (ehemalige Sowjetländer als NATO und EU-Staaten seit den 1990iger Jahren). Durch die disruptive Kriegsführung soll die westliche Geschlossenheit geschwächt werden, da „unser“ Denkmuster und Demokratieverständnis im Gegensatz zum Russischen wahrgenommen wird.
5 Felder der hybriden Kriegsführung:
- Spaltung: Orchestrierte Kampangen gegen den Westen, Desinformationskampangen mit nachbauten von Nachrichtenseiten und ähnlichem mit Ziel der der Spaltung der Gesellschaft.
- Sabotage: Wegwerfagenten, Zerstärtung von kritischen Infrastrukturen oder Lieferketten (schwächstes Glied).
- Subversion: Unterwanderung der Gesellschaft, Mobilisierung von russischen Minderheiten, um diese als Vorwand einer „Befreiung“ zu nutzen. Persönlichkeiten sollen defamiert werden (siehe Kaja Kallas). Social-Media Nutzung und Einbindung von politischen extremen Parteien als Brandbeschleuniger.
- Probeangriffe: Wiederholte Lufthoheitsverletzungen, um ein Informationsgewinn über die Reaktion der NATO-Staaten zu erhalten.
- „Klassischer“ Krieg: Alle sind Bestandteil der modernen Kriegsführung, obwohl sie nicht in der allgemein wahrgenommen Vorstellung von Krieg entsprechen.
Hambach nennet eine Vielzahl an Beispielen hybrider Bedrohungen in Deutschland – allein 2025 sollen es über 300 gewesen sein, vom Brandanschlag auf die Kabelbrücke Lichterfelde in Berlin, Falschmeldungen über Bundeskanzler Merz (Kokainskandal mit Macron), Stromausfälle, Drohnenflüge, Brandanschläge, Spamwellen hinzu Sachbeschädigungen von Umspannwerken.
Auch die Bundeswehr war mehrfach Ziel, z.B. durch die Doppelgänger-Affäre großer Medienseiten, gefälschte Zitate, angebliche Taurus-Lieferungen, aber auch das GPS-Jammen gegen EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, das Eindringen von 19 Drohnen in den polnischen Luftraum, Brandstiftung gegen Bw-LKW in Erfurt, zunehmende Antimilitarisierungskampangen im Umfeld des Veteranentags, Drohnenüberflüge von Bw-Liegenschaften, Cyberangriff auf Bw-Zulieferer, Phishing Mails, Sabotageakte auf der Korvette Emden und viele mehr.
Gesamtverteidigung, so Brigadegeneral Hambach, basiert auf zwei Säulen, der militärischen Verteidigung, die durch den Operationsplan Deutschland bedacht wird, und den zivilen Aspekt:
- Aufrechterhaltung der Staats- und Regierungsfunktion
- Zivilschutz
- Versorgung der Bevölkerung und der Streitkräfte
- Unterstützung der Streitkräfte
Sicherheit ist dabei nicht allein eine Regierungsaufgabe – „ein wiederkehrendes Motiv ist dabei, dass moderne Sicherheitspolitik gesellschaftliche Unterstützung benötigt. Verteidigungsausgaben, militärische Präsenz, strategische Prioritäten – all das ist politisch nur tragfähig, wenn die Gesellschaft die Bedrohungslage versteht und mitträgt. Sicherheit wird damit auch zu einer Frage politischer Kultur“, so Hambach. Für eine funktionale zivile Verteidigung bedarf es die physischen, die zeitlichen, die rechtlichen und die geistigen (wofür eigentlich – für unsere Demokratie) Rahmenlinien.
Hambach verweist im Folgenden auf das Arbeitspapier der Bundesakademie für Sicherheitspolitik „Gesamtstaatliche Sicherheitsvorsorge (GSV)“ (Feb. 2026): Wirtschaftliche Resilienz ist kein reines Firmenthema mehr, sondern ein existenzielle Säule der deutschen Gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge.
à Unternehmen stellen die vorderste Verteidigungslinie der staatlichen Handlungsfähigkeit dar.
Die notwendige Verzahnung staatlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Akteure wird von der Klammer Sicherheit als gesamtes Kontinuum des staatlichen Handelns umfasst:
Kernbotschaften & Konzepte
- Wirtschaft als Sicherheitsanker: Unternehmen sichern die Grundversorgung (Energie, Logistik, Digitales). Ohne eine resiliente Wirtschaft verliert der Staat in Krisen seine Handlungsfähigkeit.
- Erweiterter Sicherheitsbegriff: Sicherheit umfasst nicht mehr nur das militärische, sondern das gesamte Kontinuum – vom „Normalbetrieb“ über hybride Angriffe (Cyber, Sabotage, Desinformation), bis zum Verteidigungsfall.
- Definition Resilienz: Die Fähigkeit von Firmen, Störungen nicht nur auszuhalten, sondern sich anzupassen und Funktionen unter Druck schnell wiederherzustellen.
Zentrale Herausforderungen
- Reaktive Haltung: Viele Unternehmen handeln bisher nur reaktiv auf Krisen (Pandemie, Lieferketten). Resilienz muss jedoch als dauerhafte Führungsaufgabe im Vorstand verankert werden.
- Geopolitische Lage: Die schwindende Verlässlichkeit transatlantischer Partner und hybride Kriegsführung (z. B. durch Russland) zwingen Europa zu mehr eigenständiger Durchhaltefähigkeit.
- Wettbewerbsfaktor: Resilienz wird zunehmend zum Standortvorteil und zur Bedingung für Finanzierungen und Aufträge.
Als Handreiche wird der Vorsorgeplan „Krisen, Katastrophen, Konflikte: Wie Sie ihr Unternehmen in unsicheren Zeiten schützen“ von BBK und IHK Hamburg empfohlen.
Brigadegeneral Hambach fasst seinen Vortrag mit einer einfachen Aufzählung zusammen:
Verteidigung…
…beginnt im Kopf
…funktioniert nur gemeinsam.
…muss vorbereitet sein.
…muss geübt werden.
…kostet Zeit und Geld.
…ist nicht nur Aufgabe der Bundeswehr.
Wie geht’s nun weiter?
Sicherheit braucht Wirtschaftskraft, zur Finanzierung, Förderung von Innovation und einer stabilen Gesellschaft.
Wirtschaft brauch Sicherheit, wie eine funktionsfähige Infrastruktur, Schutzmechanismen vor Sabotage und Cyberangriffen und zur Entfaltung eine verlässliche Ordnung.
Daraus abgeleitet ist Resilienz ein Gemeinschaftsprojekt – und Netzwerke sind der Hebel, damit nicht jeder Betrieb „das Rad neu erfinden muss“, sondern voneinander profitieren kann.
Aktuell laufen strategische Überlegungen, um genau dieses Netzwerk durch das BayZBE zu stärken, um Resilienz und Sicherheit effizient, skalierbar und wirksam aufzubauen. Als Erster Schritt geht es um einen niederschwelligen Ansatz:
Awareness schaffen.
Ansprechpartner verknüpfen.
Austausch ermöglichen.
Erste Schritte
Was Unternehmen eigenständig heute mitnehmen sollten:
- Kritische Prozesse identifizieren – was muss im Störfall laufen?
- IT-Infrastruktur schützen – Backup, Zugriffsreche, Awareness, Notfallpläne.
- Lieferketten Stresstest – Abhängigkeiten, Alternativen, Mindestbedarfe.
- Notfallkonzepte üben – Nicht nur verschriftlichte digitale Konzepte, sondern gedruckte, gelebte, geübte Pläne. Verantwortlichkeiten klären.
- Netzwerk aktiv nutzen – Austausch mit anderen Stakeholdern, Verbänden, Behörden. Den im Ernstfall zählt Geschwindigkeit.
